Schweinefleisch, zweimal gebraten

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ALF: „Was iss’n das?“
Willie: „Schweinefleisch, zweimal gebraten.“
ALF: „Sieht eher aus, wie zweimal gegessen. Haaaa-ha-ha-haaaaa!“

Schon vor ungefähr 25 Jahren fragte ich mich: Wie kann man denn was ZWEIMAL braten? Jetzt weiss ich es endlich. Und ich weiss auch: Das ist RICHTIG gut.

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Louis Cole „Time“ – Ein Spiegelbild der Generation Spotify.

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Bislang konnte man die Musik von Louis Cole kaum auf „Platte“ kaufen. Alles von „Knower“, seinem, zusammen mit der Sängerin Genevieve Artadi, ursprünglich als Duo angelegten Projekt, gab und gibt es in erster Linie auf Youtube. Grandiose Feiern des grenzenlosen Talents und zugleich des Bewusstseins der Unschaffbarkeit der selbstgestellten Aufgabe, dem Zauber des Imperfekten. In multi-hunderttausend-Click-Videos von Songs wie „Overtime“, halsbrecherischen Lady Gaga Medleys und wackeligen Handymitschnitten. Es gehört zur Wahrheit, dass davon kaum jemand auch nur seine Miete bezahlen kann.

Anfang August ist nun Coles neues Soloalbum auf dem ex-Kamasi Washington-Label „Brainfeeder“ erschienen. Und es ist die bislang eindrucksvollste Reflektion eines Allround Künstlers im No-Budget und Spotify-Zeitalter. Cole lebt in der ehemaligen Recording-Hauptstadt Los Angeles. Er ist zuallererst ein begnadeter Drummer, dessen Spiel von Jazz über Black Music bis Elektro die jüngere Musikgeschichte vereint. Und ganz, ganz viel Sound und Attiude, gepaart mit grandioser Spieltechnik und Musikalität. Kurz: Bad-Ass! Lange war das alleine schon eine Basis für eine Karriere. Doch Cole schreibt, produziert, spielt Keyboards und Gitarren, singt, dreht Videos, vermutlich in seiner Garage, konzipiert Streicherarrangements, ist Toningenieur, Texter, Vermarkter, Darsteller in seinen Clips. Und das alles weitestgehend überdurchschnittlich. Das gab es schon zuvor, das bekannteste Beispiel heißt Jacob Collier. Und auch wenn man diesem zweifellos Respekt zollen muss, lebt er doch viel mehr vom Wunderkind-Status, entwickelt, sicher auch aufgrund seines deutlich jüngeren Alters viel weniger Persönlichkeit, während es Cole gelingt, eine wirklich ziemlich einzigartige künstlerische Identität zu verkörpern.

Es ist anzunehmen, dass es Cole nicht an Selbstbewusstsein mangelt. Jedenfalls scheint das in den Projektionen seiner Person, meist mit Sonnenbrille, freiem Oberkörper und übergroßen Plastik-Goldketten um den Hals. Doch bei näherem Hinsehen, und das ist das wirklich Berührende an „Time“, bricht Cole dieses Image, zweifellos vollkommen bewusst, auf, ohne es zu verleugnen oder aus einer ironischen Distanz vorzuführen. Viele der Songs auf dem Album spiegeln direkt oder indirekt den Existenzkampf von Musikern seiner Generation. Eine frühere Nummer bringt es auf den Punkt: „I am too scared to check my bank account.“ In „Real Life“ macht sich Cole unter anderem Gedanken um sein „future me“. „Trying not to die“ spricht für sich. In „Phone“, einer in ihrer Zerbrechlichkeit wirklich berührenden Smartphone-Ballade, formuliert Cole mit brüchiger Stimme eine der wunderbarsten Liebeserklärungen unserer Zeit: „You always pick up your phone. the weirdest times I call you, you’re there, glowing in my dark room.“ Seine can-do-Attitude gibt er dabei in keinem Moment auf. Und dann gibt es auch noch ein paar richtig dicke Dinger, allen voran den Opener „Weird Part Of The Night“: Dicker Bass, dicke Hook, dicker Groove, wieder einmal gepushed durch eines der besten Selfmade-Musikvideos seit Menschengedenken. Vielleicht die Essenz von Coles Musik und seinem Wirken überhaupt könnte „Things“ sein. Ein nüchterner, aber keineswegs bitterer, sondern, vielmehr scheinbar spielerisch-leichter Blick auf die Unberechenbarkeit unserer Zeit.

Wenn Daft Punks „Random Access Memories“ die Kulmination der großen Recording-Zeit war, ist „Time“ das bislang relevanteste Manifest des Spotify Zeitalters. Ein Album, das zeigt, was möglich ist, wenn ein auf unglaublich viele Arten talentierter Künstler über 2 ½ Jahre ohne das Ansehen von irgendwelchen Grenzen alle seine Kräfte mobilisiert. Ein Album, das, so abgelutscht es klingen mag, mit jedem Hören immer noch besser und besser wird. Mit tiefen Wurzeln, viel Mut, Witz, Gefühl, aber auch einer zugleich glücklich machenden, bei allem Talent und Können, fast schon kindlich-naiven Verspieltheit. Aber auch ein Album, das in den Grenzen, an die es trotz des überbordenden Talents praktisch permanent und unüberhörbar stößt, und, noch viel wichtiger, in seiner Art, genau das direkt wie indirekt zu thematisieren, auch nachdenklich, wenn nicht traurig macht. Zumindest von Zeit zu Zeit. Aber ganz sicher ein Album eines (hier kommt die überstrapazierteste Vokabel der jüngeren Musikbeschreibung) Ausnahmetalents, dessen Stimme gegen alle Widerstände seinen Weg gefunden hat und es bedingungslos verdient hat, gehört zu werden.

Meine toskanische Fischsuppe

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Um das mal gleich klarzustellen: Das hier hat nichts mit Caciucco, Bouliablaisse oder sonstwas zu tun. Ich glaube, das schreibe ich bei jedem Fischsuppen-Post. Und, das ist neu, das Rezept erfordert, dass man vorher irgendwann man so ca. 12 große Garnelen gebraten / gegrillt / gegessen hat. Denn  die Grundsuppe wird aus Garnelenschalen gekocht. Und dem, was noch so rumliegt. Und dafür ist sie ECHT gut.

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Gnocchetti Sarda mit Garnelen und Zucchini

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Gestern war der Fischwagen im Ort. Wie immer am oberitalienischen Mittelmeer war die Auswahl bescheiden. Ich fürchte, das Mittelmeer ist leer. Ich habe in Genua am Hafen (!) ganze Fischgeschäfte gesehen, die ausschließlich Tiefkühlware von sonstwo in der Auslage hatten. Hier gibt es, glaubwürdig, Sardinen, Doraden vielleicht Oktopus. Ich konnte aber bei den schönen, großen Garnelen nicht nein sagen. In schwächstem Italienisch versuchte ich, zu erfragen, ob sie den „locale“ seien. Man versicherte mir, sie seien, sogar der Ort wurde mir genannt. Vielleicht stimmt’s, vielleicht waren sie aus einer asiatischen Aquakultur. Das Wort des Fisch-Mannes sollte mir einfach mal genügen. Und in der Zubereitung hier waren sie echt gut. Und eine Idee, die Garnelen gleich zweimal zu verwenden, hätte ich auch noch.

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Gebackene Zucchiniblüten

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In Italien sind Zucchiniblüten ein ganz normales Gemüse. Die hier waren einfach an den kleinen Zucchini dran, es gibt sie aber auch, größer und schöner, separat. In Deutschland sind sie leider schwer zu kriegen, aber wer einen Garten hat oder doch mal an welche ran kommt, dem sei diese wunderbare, schnelle Vorspeise wärmstens empfohlen.

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Trippa alla Fiorentina – Kutteln im Selbstversuch

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„Egal, was Du mit Kutteln machst, die schmecken immer Scheiße“ sagt mein Freund Nils. Und er muss es wissen, denn er hat ganz sicher die Welt gesehen und alle möglichen Küchen von Schweden bis China probiert. Und er ist, so meine ich, auf einer Rinderfarm aufgewachsen. Die Mehrheit der von mir verehrten Küchen-Denker, von Anthony Bourdain bis Vincent Klink, findet Kutteln wiederrum absolut köstlich. Es scheint also klar: Entweder man liebt sie oder man hasst sie. Mein einziger bisheriger Kontakt mit dem Wiederkäuer-Blättermagen, hauptsächlich vom Rind, war als Teil der Zutaten zum chinesischen Hot Pot. Vorgeschnitten und, in der scharfen Brühe gegart, abgesehen von einer etwas gummiartigen Konsistenz, nicht weiter auffällig. Aber jetzt, bei meinem dritten Toskana-Aufenthalt, wollte ich es endlich wissen. Schließlich sind „Trippa Al Fiorentina“ hier ein regionaler Klassiker.

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Don’t call it Fusion. Rinderhüfte, Champignons, Frühlingslauch

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Ich meine, wie in der Musik, so auch in der Küche, ist das Motiv, aus dem man was tut, wirklich wichtig. „Fusion“ ist ein gutes Beispiel. Gibt es in der Musik und in der Küche. In beiden Fällen bezeichnet der Begriff den Vorsatz, Sachen zu vermischen. Das mag in den 70er und 80er Jahren, in denen der Begriff entstand, ein neues Konzept gewesen sein. Heute ist es unser Alltag. Und damit obsolet.  Ich meine, Verbinden um des Verbindens wegen ist gestig und fad. Aber wenn ich jetzt meine, die Pilze in meinem an sich asiatisch angelegten Rezept schreien grad nach Butter oder wenn ich denke, am Schluss wäre bei all der Süße und dem Umami in dem Gericht ein bisschen Olivenöl gerade die richtige Balance, dann sehe ich das nicht als „Fusion“, sondern freue mich über die Möglichkeit, heute in unserer Küche die tollsten Sachen aus der ganzen Welt praktisch selbstverständlich zur Hand zu haben. Und, weniger schlau formuliert: Das hier ist einfach gut. Egal woher die Bestandteile kommen.

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Puffer aus Roten Linsen und Zucchini

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Neulich gab es Hamburger. Für die Meisten mit Fleisch. Für die Liebste aber mit, aus Zeitmangel, im Bioladen gekauften Tofu-Bratlingen. Die waren grauenhaft. Einfach ungenießbar. Und Anlass, doch mal wieder selbst welche zu basteln. Und die hier sind für mich der bisher überzeugendste Versuch: Außen sehr knusprig, innen saftig und wirklich würzig. Und das alles mit ganz wenig Arbeit und regelrecht billigen Zutaten. Das hier, als kleine Puffer mit ein bisschen Tzatziki, war die Resteverwertung des übrigen Teigs von gestern Abend. Aber ich meine, es ist wirklich nur eine von vielen Variationsmöglichkeiten: Wie schon geschildert, als Burger, als Veggie-Steak oder Schnitzel vielleicht mit Pilzrahm oder Kartoffelsalat, als kleine Falafel, vielleicht auch gefüllt mit Feta oder auch als Kruste, mit der man verschiedene Gemüse überbacken kann. Und natürlich lässt sich die Masse nach Laune variieren, was die Würze und die verwendeten Gemüse angeht. Und dann ist das kein Fleischersatz, sondern einfach gut.

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