Louis Cole „Time“ – Ein Spiegelbild der Generation Spotify.

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Bislang konnte man die Musik von Louis Cole kaum auf „Platte“ kaufen. Alles von „Knower“, seinem, zusammen mit der Sängerin Genevieve Artadi, ursprünglich als Duo angelegten Projekt, gab und gibt es in erster Linie auf Youtube. Grandiose Feiern des grenzenlosen Talents und zugleich des Bewusstseins der Unschaffbarkeit der selbstgestellten Aufgabe, dem Zauber des Imperfekten. In multi-hunderttausend-Click-Videos von Songs wie „Overtime“, halsbrecherischen Lady Gaga Medleys und wackeligen Handymitschnitten. Es gehört zur Wahrheit, dass davon kaum jemand auch nur seine Miete bezahlen kann.

Anfang August ist nun Coles neues Soloalbum auf dem ex-Kamasi Washington-Label „Brainfeeder“ erschienen. Und es ist die bislang eindrucksvollste Reflektion eines Allround Künstlers im No-Budget und Spotify-Zeitalter. Cole lebt in der ehemaligen Recording-Hauptstadt Los Angeles. Er ist zuallererst ein begnadeter Drummer, dessen Spiel von Jazz über Black Music bis Elektro die jüngere Musikgeschichte vereint. Und ganz, ganz viel Sound und Attiude, gepaart mit grandioser Spieltechnik und Musikalität. Kurz: Bad-Ass! Lange war das alleine schon eine Basis für eine Karriere. Doch Cole schreibt, produziert, spielt Keyboards und Gitarren, singt, dreht Videos, vermutlich in seiner Garage, konzipiert Streicherarrangements, ist Toningenieur, Texter, Vermarkter, Darsteller in seinen Clips. Und das alles weitestgehend überdurchschnittlich. Das gab es schon zuvor, das bekannteste Beispiel heißt Jacob Collier. Und auch wenn man diesem zweifellos Respekt zollen muss, lebt er doch viel mehr vom Wunderkind-Status, entwickelt, sicher auch aufgrund seines deutlich jüngeren Alters viel weniger Persönlichkeit, während es Cole gelingt, eine wirklich ziemlich einzigartige künstlerische Identität zu verkörpern.

Es ist anzunehmen, dass es Cole nicht an Selbstbewusstsein mangelt. Jedenfalls scheint das in den Projektionen seiner Person, meist mit Sonnenbrille, freiem Oberkörper und übergroßen Plastik-Goldketten um den Hals. Doch bei näherem Hinsehen, und das ist das wirklich Berührende an „Time“, bricht Cole dieses Image, zweifellos vollkommen bewusst, auf, ohne es zu verleugnen oder aus einer ironischen Distanz vorzuführen. Viele der Songs auf dem Album spiegeln direkt oder indirekt den Existenzkampf von Musikern seiner Generation. Eine frühere Nummer bringt es auf den Punkt: „I am too scared to check my bank account.“ In „Real Life“ macht sich Cole unter anderem Gedanken um sein „future me“. „Trying not to die“ spricht für sich. In „Phone“, einer in ihrer Zerbrechlichkeit wirklich berührenden Smartphone-Ballade, formuliert Cole mit brüchiger Stimme eine der wunderbarsten Liebeserklärungen unserer Zeit: „You always pick up your phone. the weirdest times I call you, you’re there, glowing in my dark room.“ Seine can-do-Attitude gibt er dabei in keinem Moment auf. Und dann gibt es auch noch ein paar richtig dicke Dinger, allen voran den Opener „Weird Part Of The Night“: Dicker Bass, dicke Hook, dicker Groove, wieder einmal gepushed durch eines der besten Selfmade-Musikvideos seit Menschengedenken. Vielleicht die Essenz von Coles Musik und seinem Wirken überhaupt könnte „Things“ sein. Ein nüchterner, aber keineswegs bitterer, sondern, vielmehr scheinbar spielerisch-leichter Blick auf die Unberechenbarkeit unserer Zeit.

Wenn Daft Punks „Random Access Memories“ die Kulmination der großen Recording-Zeit war, ist „Time“ das bislang relevanteste Manifest des Spotify Zeitalters. Ein Album, das zeigt, was möglich ist, wenn ein auf unglaublich viele Arten talentierter Künstler über 2 ½ Jahre ohne das Ansehen von irgendwelchen Grenzen alle seine Kräfte mobilisiert. Ein Album, das, so abgelutscht es klingen mag, mit jedem Hören immer noch besser und besser wird. Mit tiefen Wurzeln, viel Mut, Witz, Gefühl, aber auch einer zugleich glücklich machenden, bei allem Talent und Können, fast schon kindlich-naiven Verspieltheit. Aber auch ein Album, das in den Grenzen, an die es trotz des überbordenden Talents praktisch permanent und unüberhörbar stößt, und, noch viel wichtiger, in seiner Art, genau das direkt wie indirekt zu thematisieren, auch nachdenklich, wenn nicht traurig macht. Zumindest von Zeit zu Zeit. Aber ganz sicher ein Album eines (hier kommt die überstrapazierteste Vokabel der jüngeren Musikbeschreibung) Ausnahmetalents, dessen Stimme gegen alle Widerstände seinen Weg gefunden hat und es bedingungslos verdient hat, gehört zu werden.

Osteria

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Murano, späte Mittagszeit. Es SCHIFFT. Wie viele Glasläden braucht der Mensch? Offensichtlich mehr, als Orte zum Essen. Hunger, kalt, nass. In solchen Situationen bin ich in der Regel nicht wählerisch. Den erstbesten Laden suchen und rein. Nur: an der Hauptstraße sind alle brechend voll. Ich sehe „tourist menues“, die sichersten Zeichen, das ein Laden nix taugt. Und stelle mich dennoch an. Schlecht gelaunte Kellner ignorieren mich, asiatische Reisegruppen essen Lasagne und Bistecca. Ich habe Hunger, aber ich bin auch ein ungeduldiger Mensch. Wieder raus in den Regen. Entlang einer unzählbaren Reihe von Glasläden. Dann: Osteria irgendwas.

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Markttag

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Ich glaube, man muss ziemlich tough sein, um hier zu leben. Nur noch 60.000 Einwohner hat Venedig heute. Die meisten davon im Rentenalter. Das Leben ist beschwerlich, die Wege weit, das Freizeitangebot begrenzt. Und Venedig ist die teuerste Stadt Italiens. Kein Wunder: Alles, aber auch alles muss per Boot transportiert und dann auf Sackkarren durch die engen Gassen gewuchtet werden. Heute war ich schon um acht unterwegs. Auf dem Weg zum Markt.

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Winter in Venice

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Es ist kalt. Saukalt. Mit dem Markusplatz im Rücken pflügt sich das Boot durch das pechschwarze Wasser der Lagune. Ungefähr 30 Minuten sind es von hier bis zum Anleger „Fondamente Nuove“, wo ich mein Zimmer habe. Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag. Die Stadt schläft. Vorbei ziehen stockdunkle Hafenanlagen, eine brüchig aussehende Werft. Gespenstisch beleuchtete Lastkräne. Es riecht frisch und modrig zugleich. Bei vielleicht 3 Grad kriecht die feuchte Luft durch die Klamotten. Doch ich will nicht unter Deck. Zu morbide-schön das alles.

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Verkackt 2017: Meine“besten“ Küchen-Fails

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Zugegeben: Die Zeiten, in denen ich auch mal komplett Un-Essbares produziert habe, sind schon vorbei. Aber es gibt immer wieder Sachen, die echt nicht klappen. Optisch, geschmacklich oder beides. Und ich bleibe der Regel treu: Rezepte, die nicht funktionieren, werden nicht gepostet, selbst wenn sie hübsch aussehen. Und manchmal tun sie nicht mal das, wie dieser „schöne“ Rondini mit zweierlei Pampe zeigt. Hier also ein kleiner ehrlicher Jahresrückblick.

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