Unterm Dach

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Mein Hendl ist ein bisschen verkokelt. Naja, an manchen Stellen mehr als ein bisschen. Ich hab es heute morgen noch auseinander genommen. Und mariniert. Viel Gewürze haben wir hier auf der Hütte nicht. Salz, Pfeffer, bissl wilden Thymian von draußen. Im Schrank flakt noch ein Streuer mit Knoblauchpulver rum. Ausnahmsweise. Dann raus. Als wir zurück sind, große Lust auf Mittagsschlaf unter dem Hüttendach. Dauert bis sechs. Ich hab einen steifen Nacken vom Luftzug gestern Nacht. Wollte einfach nicht rein.

Mein Huhn wieder im Halbdunkel gegrillt. An manchen Stellen ist es arg verbrannt. Innen ist es durchweg geil. Jeder Bissen ein anderer Gargrad. Dazu sauguter Wein von Weingut vlg. Ritter aus St. Paul. Da waren wir gestern. Sabine, die junge Winzerin und alleinige Betreiberin hat sich für uns eine gute halbe Stunde genommen und uns ihre umwerfend frischen, leichten, klaren, hoch-lebendigen Weine probieren lassen. Die schwingen grad nach.

Ein mächtiges Gewitter ist aufgezogen. Aus der Ferne erleuchten die Blitze die Silhouette des Waldes. Gustavo Santaolalla spielt seinen Brokeback Mountain Sound. Ich sitze unter der Decke, das Vordach hält den Regen ab. Ich sollte echt rein. So zugig. Der Nacken. Aber ich will nicht. Kommt nicht so schnell wieder, das.

Feliz ano novo.

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4

João kommt jeden Nachmittag zum Fähranleger am Tejo. João heißt wirklich so, wie gefühlt die Hälfte aller männlichen Portugiesen. Er hat seine Gitarre dabei. Und einen kleinen, Akku-betriebenen Verstärker. An einer niedrigen Mauer, direkt mit der Atlantikmündung im Rücken, hat er seinen festen Platz. Er spielt hier jeden Tag, es kommen Touristen, aber auch Einheimische, setzen sich auf die Mauer und schauen aufs Wasser oder machen sich auf den hölzernen Liegebänken breit. Die Wintersonne scheint, ein kühler, salziger Wind weht vom Atlantik, in der Ferne liegen im Dunst die große Hängebrücke und die Jesus-Statue am anderen Flussufer. Es ist der 31. Dezember, die Stadt ist viel leerer, als im Sommer, doch hier ist eigentlich immer etwas los. Vor zwanzig Jahren kam João aus Brasilien und blieb. Damals war das Leben hier noch langsamer, ruhiger – wenn auch oft karg und arm. In Portugal fühlt er sich sonderbar daheim – diesem Land zwischen den Kontinenten, am äußersten Zipfel Europas, nah an Nordafrika, mit einem Tor nach Amerika. Diesem Land der Seefahrer und der weinend im Hafen zurückgelassenen Frauen und Kinder und den unzähligen Liedern über diese. Er mag die Schwere und die Ruhe der Menschen, die Melancholie, die alle doch, wie auch er, immer mit einem milden Lächeln hinnehmen, ja, umarmen. Früher, im alten Zuhause hat er getrunken, viel, sehr viel. Und eine Menge Dummheiten gemacht. Es hätte ihn fast umgebracht. Lissabon, das war einst sein sicherer Hafen und er ist es geblieben. Viel hat er hier nicht, ein kleines Zimmer im Zentrum, das Geld, das er mit seinen Auftritten verdient, reicht gerade zum Leben. Manchmal gibt er Kurse über Música Popular Brasileira – die Musik, die er spielt und singt, wie andere Menschen atmen.

Die Letzten

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Seit vierzig Jahren wohnen Erna und Erich hier. Sie haben sich auf der Weihnachtfeier des Jagdwaffenkombinats kennengelernt. Er arbeitete in der Fertigung als Graveur, sie in der Verwaltung. Ihr gefiel seine künstlerische Ader, sein handwerkliches Geschick und, das er nicht so roh war, so viel quatsche und soff, wie die anderen Kerle. Er mochte ihre kluge Art, ihre Zuverlässigkeit und Ordnungsliebe. Am Rande der Kleinstadt wurde damals für die Arbeiter aus den Fabriken innerhalb von ein paar Jahren ein ganzes Plattenbau-Wohngebiet hochgezogen. Russisches Modell. Wie überall im Land. Erna und Erich bekamen eine der modernen Drei-Zimmer Wohnungen. Ihr Block lag am äußeren Rand der Siedlung, nach vorne sah man nur Platte, soweit das Auge reichte, aber nach hinten, erstreckten sich, am Fuße des Hügels, auf dem das ganze Wohngebiet stand, weite Wiesen, die bis zum Rand eines dichten Waldes reichten. Hier war die Stadt zu Ende.

Der Frosch

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Die Luft flirrt in der Mittagshitze. Es riecht nach gebackenem Asphalt, Bremsabrieb und trockenem Gras. Das kleine Dorf auf dem Kamm der Berge döst in der warmen Schwere. Es ist still, der Wind wirbelt Staub auf, der langsam zu Boden sinkt. Am Dorfrand öffnen sich weite, wilde Wiesen, mit Blumen und duftenden Kräutern, die in der Hitze ihre Essenzen freigeben, Ein Junge, vielleicht sieben Jahre alt, rennt über den Feldweg, in einer Senke in der Ferne, kurz vor dem Waldrand, glizert ein kleiner Stausee.

Über ein Stigma. Oder: Ob Menschen mit Übergewicht Freude am Essen haben dürfen.

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„Warum sind eigentlich so viele Menschen unzufrieden mit ihrer Figur und so wenige mit ihrem Hirn?“ – Vincent Klink

Dürfen übergewichtige Menschen Freude am Essen haben? Die allgemein verbreitete, kurze Antwort: Nein, dürfen sie nicht. Ein essender Dicker ist allein schon eine Provokation. Tut er oder sie das auch noch mit Freude, ist das eindeutig geisteskrank. Früher, in den Nachmittagstalkshows, waren Dicke, die stolz verkündeten, das sie sich gut fänden, so wie sie seien, maximale Aufreger, auf einer Ebene mit Sozialbetrügern und Ehebrechern. Vielleicht sind wir heute mehr p.c. als damals, aber ich glaube nicht, dass sich an dieser Wahrnehmung viel geändert hat.

Geschichte in MUCBOOK

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Ich bin wirklich hocherfreut, dass es meine kleine Geschichte Wie die Auster ins Stüberl kam auf zwei Seiten in das neue Gastro-Special des mega-coolen, jungen Münchner Magazins MUCBOOK geschafft hat. Wer das Heft in die Finger bekommen kann: Kaufen! Denn Print rockt einfach. Und noch viel mehr, nicht nur zur Kulinarik, gibt’s auf www.mucbook.de . Mehr Küchengeschichten von mir gibt es unter der FÜHLEN Rubrik auf dieser Seite.