Die Letzten

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Seit vierzig Jahren wohnen Erna und Erich hier. Sie haben sich auf der Weihnachtfeier des Jagdwaffenkombinats kennengelernt. Er arbeitete in der Fertigung als Graveur, sie in der Verwaltung. Ihr gefiel seine künstlerische Ader, sein handwerkliches Geschick und, das er nicht so roh war, so viel quatsche und soff, wie die anderen Kerle. Er mochte ihre kluge Art, ihre Zuverlässigkeit und Ordnungsliebe. Am Rande der Kleinstadt wurde damals für die Arbeiter aus den Fabriken innerhalb von ein paar Jahren ein ganzes Plattenbau-Wohngebiet hochgezogen. Russisches Modell. Wie überall im Land. Erna und Erich bekamen eine der modernen Drei-Zimmer Wohnungen. Ihr Block lag am äußeren Rand der Siedlung, nach vorne sah man nur Platte, soweit das Auge reichte, aber nach hinten, erstreckten sich, am Fuße des Hügels, auf dem das ganze Wohngebiet stand, weite Wiesen, die bis zum Rand eines dichten Waldes reichten. Hier war die Stadt zu Ende.

Der Frosch

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Die Luft flirrt in der Mittagshitze. Es riecht nach gebackenem Asphalt, Bremsabrieb und trockenem Gras. Das kleine Dorf auf dem Kamm der Berge döst in der warmen Schwere. Es ist still, der Wind wirbelt Staub auf, der langsam zu Boden sinkt. Am Dorfrand öffnen sich weite, wilde Wiesen, mit Blumen und duftenden Kräutern, die in der Hitze ihre Essenzen freigeben, Ein Junge, vielleicht sieben Jahre alt, rennt über den Feldweg, in einer Senke in der Ferne, kurz vor dem Waldrand, glizert ein kleiner Stausee.

Über ein Stigma. Oder: Ob Menschen mit Übergewicht Freude am Essen haben dürfen.

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„Warum sind eigentlich so viele Menschen unzufrieden mit ihrer Figur und so wenige mit ihrem Hirn?“ – Vincent Klink

Dürfen übergewichtige Menschen Freude am Essen haben? Die allgemein verbreitete, kurze Antwort: Nein, dürfen sie nicht. Ein essender Dicker ist allein schon eine Provokation. Tut er oder sie das auch noch mit Freude, ist das eindeutig geisteskrank. Früher, in den Nachmittagstalkshows, waren Dicke, die stolz verkündeten, das sie sich gut fänden, so wie sie seien, maximale Aufreger, auf einer Ebene mit Sozialbetrügern und Ehebrechern. Vielleicht sind wir heute mehr p.c. als damals, aber ich glaube nicht, dass sich an dieser Wahrnehmung viel geändert hat.

Geschichte in MUCBOOK

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Ich bin wirklich hocherfreut, dass es meine kleine Geschichte Wie die Auster ins Stüberl kam auf zwei Seiten in das neue Gastro-Special des mega-coolen, jungen Münchner Magazins MUCBOOK geschafft hat. Wer das Heft in die Finger bekommen kann: Kaufen! Denn Print rockt einfach. Und noch viel mehr, nicht nur zur Kulinarik, gibt’s auf www.mucbook.de . Mehr Küchengeschichten von mir gibt es unter der FÜHLEN Rubrik auf dieser Seite.

Wie die Auster ins Stüberl kam

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Es ist heiter im Stüberl. Am Tresen sitzen die Stammgäste: Wastl, mit schon rot angelaufener Halbglatze und verschmitztem Grinsen, Alfons, eine imposante, Ruhe, Freundlichkeit und Autorität ausstrahlende Erscheinung und Franzi, der ex-Verfassungsschützer, von dem man nie weiß, ob er einen gerade komplett auf den Arm nimmt oder seine Geschichte wahr ist, so unlesbar ist sein Pokerface. Hinter dem Tresen steht Greti, wie jeden Tag seit dreißig Jahren. Sie ist der wichtigste Grund, aus dem die Jungs herkommen. Mutterersatz, Freundin, Schwester, alles zusammen.

Der berühmte Geiger

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Es ist unser bisher teuerstes Konzert. Gage und Produktionskosten zusammengerechnet liegt die Kalkulation im sechsstelligen Bereich. Die gut 800 Tickets sind deshalb richtig teuer – und trotzdem innerhalb von einer Woche ohne jede Werbung weg. Der berühmte Geiger kommt in die Provinz. Und ich soll mich um ihn kümmern. Der Hospitality Rider, also der Vertragszusatz, der Unterbringung, Transport und Catering regelt, ist vierzig Seiten stark. Der mit Abstand umfangreichste, den ich bis dato gesehen habe und auch bis heute sehen werde. Ich glaube, der von den Stones ist dünner. Das heisst, die Stones bringen ihren Kram immer selbst mit. Der berühmte Geiger nicht.