Wie die Auster ins Stüberl kam

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Es ist heiter im Stüberl. Am Tresen sitzen die Stammgäste: Wastl, mit schon rot angelaufener Halbglatze und verschmitztem Grinsen, Alfons, eine imposante, Ruhe, Freundlichkeit und Autorität ausstrahlende Erscheinung und Franzi, der ex-Verfassungsschützer, von dem man nie weiß, ob er einen gerade komplett auf den Arm nimmt oder seine Geschichte wahr ist, so unlesbar ist sein Pokerface. Hinter dem Tresen steht Greti, wie jeden Tag seit dreißig Jahren. Sie ist der wichtigste Grund, aus dem die Jungs herkommen. Mutterersatz, Freundin, Schwester, alles zusammen.

Der berühmte Geiger

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Es ist unser bisher teuerstes Konzert. Gage und Produktionskosten zusammengerechnet liegt die Kalkulation im sechsstelligen Bereich. Die gut 800 Tickets sind deshalb richtig teuer – und trotzdem innerhalb von einer Woche ohne jede Werbung weg. Der berühmte Geiger kommt in die Provinz. Und ich soll mich um ihn kümmern. Der Hospitality Rider, also der Vertragszusatz, der Unterbringung, Transport und Catering regelt, ist vierzig Seiten stark. Der mit Abstand umfangreichste, den ich bis dato gesehen habe und auch bis heute sehen werde. Ich glaube, der von den Stones ist dünner. Das heisst, die Stones bringen ihren Kram immer selbst mit. Der berühmte Geiger nicht.

Dummheit ist auch keine Lösung

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Morgens in der S-Bahn sehen alle gleich scheisse aus. Selbst die Hübschen, Jungen und Dünnen. Schlecht aufgetragenes Make-up und fleckig gefärbte Haare leuchten im kalten Licht, Wampen und Speckrollen quellen aus Hemden, Hosen und Röcken, Halbglatzen glänzen im Schweiß der morgendlichen Eile. Man sieht vergebliche Diäten, verfahrene Jobs, Schulden, hohen Blutdruck, es riecht nach sauren Ausdünstungen, kalter Asche, Bierfahnen, Kaugummi, Backshop, Bremsabrieb und feuchtem Zeitungspapier. So lange geschlafen und schon wieder so müde. Mittendrin eine Vierergruppe junger Männer. Plastik-Sonnenbrillen, Plastik-Goldketten mit Jägermeister-Logo, Shorts, Turnschuhe mit Socken, Sachsen-Sound, tragbarer Lautsprecher mit Ballermannhits, Bierkasten in der offenen Reisetasche. Die Vier labern Dünnschiss, singen dumpf die debilen Songs mit und trinken. Die anderen Fahrgäste schauen weg, doch die Mahlbewegungen ihrer Kiefer verraten, das es in ihnen arbeitet.

Im Stüberl

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bsh

Menschen, die nicht aus Bayern kommen, wird man erklären müssen, was eine „Boazn“ ist. Der Begriff ist ambivalent, meint abwertend eine fiese Spelunke. Aber auch liebevoll eine etwas in die Jahre gekommene, gemütliche Kneipe. Etwas offizieller nennt man diese Läden, von denen es in München sicher über hundert gibt, „Stüberl“. Das Wort tragen sie auch meist im Namen. Ich wohne seit nun schon über zehn Jahren direkt über einem dieser „Stüberl“. Drin war ich zum ersten Mal erst vor einem guten Jahr. Vorher traute ich mich nicht so recht rein. Ich wollte die Leute, in allererster Linie Stammgäste, die oft schon ab zehn Uhr morgens am Tresen sitzen, einfach nicht stören. Und irgendwie dachte ich wohl auch, das mit mir etwas nicht stimme, wenn ich mich von solchen Läden angezogen fühle. Andererseits: Ich kenne wirklich jeden in meinem Haus. Den Gemüsehändler, das alte italienische Paar, das die Pizzeria führt. Und irgendwie fand ich es blöd von mir selbst, um das Stüberl so lange einen Bogen zu machen und an einem dunklen Abend im letzten Winter zog es mich auch wieder irgendwie in den holzgetäfelten Raum hinter den großen Glasscheiben.

Respekt vor der Metzgersfrau

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In München gibt es eine berühmte Metzgerei. Vielleicht ist es DIE beliebteste in der ganzen Stadt. Die Ware ist 1a. Zwar nicht bio, aber aus bäuerlicher, regionaler Aufzucht. Und von guter Qualität. Und zugleich absolut bezahlbar. Fleisch für den qualitätsbewussten täglich-Fleischesser, von der Oma bis zum Nachwuchs. Der Laden verkörpert Vieles, was man im Bereich des Einzelhandels längst verloren glaubte.

Post von Vincent

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vincent

Seit bestimmt 25 Jahren interessiere ich mich für das Thema Küche im allerweitesten Sinne. Über die Jahre ist mein Interesse an dem Thema weit über das reine Kochen hinaus gewachsen, hin zur Philosophie, der Kultur und den Geschichten und Köpfen der Küche. Eine Schlüsselfigur war und ist der großartige, weise Vincent Klink. Zuerst seine Autobiografie „Sitting Küchenbull“ und davon ausgehend seine Reisegeschichten, Blogeinträge, Artikel in ZEIT & Co. und sein wunderbarer Blog auf www.wielandshoehe.de Und da Vincent nicht nur ein unglaublich schlauer, sondern auch noch ein unfassbar netter Mensch ist, hat sich zwischen uns eine kleine Brieffreundschaft entwickelt. Das, wie immer in feiner Füller-Schrift geschriebene Kärtchen, welches dieser Tage als Reaktion auf mein bescheidenes, erstes Küchen-Büchlein ins Haus flatterte, gehört zu den schönsten Ermutigungen des schreibenden, fotografierenden, Küchen-denkenden Teils meines Lebens. Und es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit darüber, dass es Menschen wie Vincent überhaupt gibt.