Meine Tomatensoße für die kalte Zeit

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Gestern hatte ich außer Haus eine schreckliche Tomatensoße. Sauer, mit pürierten, bitteren Kernchen, getrocknetem Oregano, der auf der Zunge hängen bliebt, zähen Fetzen von Tomatenschale und halbgaren Zwiebelstückchen. Da wurde mir wieder einmal bewusst, wie oft selbst professionelle Küche dieses eigentlich einfache, schlichte Gericht versauen, indem sie es technisch schlecht kochen, zuviel hinzufügen und miese Ware verwenden. Deshalb wollte ich es heute nochmal gescheid machen. Außerhalb der Saison gibt es in meiner Küche keine frischen Tomaten, denn sie schmecken einfach nicht. Deshalb gibt’s hier ein kinderleichtes Rezept mit Dosentomaten und ein paar getrockneten Exemplaren, das wirklich jeder hinkriegt. Und dann ist dieses simple Gericht doch wieder ein Genuss.

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Sonntagsbraten: Butterzarte 100-Grad Lammschulter

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Bratensonntage gehören zu meinen schönsten kulinarischen Erinnerungen. Auf dem Land in Thüringen bis heute ein Muss. Sonst stimmt was nicht am Sonntag. Seit einer Weile ist das auch bei mir fast schon ein Ritual: Am Sonntag, gleich nach dem Frühstück einen Braten in den Ofen schieben, vergessen, rausgehen. Und sich beim Heimkommen freuen, dass die ganze Bude duftet. Tisch decken. Kerzen anzünden. In Ruhe und netter Gesellschaft essen. Und für das langsame Garen im Rohr eignen sich besonders gut günstige, durchwachsene Stücke, wie hier die Lammschulter. Schön durchzogen von Fett und Sehnen, die langsam schmelzen und das Fleisch zart und würzig machen. Diese Variante einer Lammschulter ist mit spontan beim Einkaufen im grandiosen türkischen Markt „Verdi“ in München eingefallen. Würziges, zartes Fleisch, über vier bis fünf Stunden langsam in einem Sud mit weißen Bohnen gegart. Kinderleicht gemacht, preiswert und locker genug für sechs Personen.

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Kaffeehaus

Kaffeehaus ist für Leute, die allein sein wollen und dafür Gesellschaft brauchen. So sagt man. Kann ich verstehen. Ich bin sehr gerne in Gesellschaft, genieße es aber auch mehr und mehr, dabei die Klappe zu halten.

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German Sushi

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Nachts im Schein des offenen Kühlschranks, vielleicht schon mit ein paar Getränken im Kopf, essen wir, worauf wir wirklich Bock haben. Käse- und Wurstscheiben zusammengerollt und in Majo getaucht. Brotscheiben mit Ketchup und Käse in der Mikro überbacken und in Worchestersoße ertränkt. Saure Gurken aus dem Glas und ein Schluck Gurkenwasser hinterher. Vor einer Weile gab es im Stern mal eine schöne Kolumne dazu, „Gelage im Stehen“. Und ratet mal, wer mitgemacht hat….

Gestern also das hier: Eine Scheibe gutes Graubrot, darauf Sahnemeerrettich, darauf Pfeffermakrele und obendrauf ein bisschen süße Sojasoße und ein bisschen grobes Salz für den Knack. Und beim Essen fiel mir dann auf: Das schmeckt nicht nur wirklich gut, auch im nüchternen Zustand, sondern es schmeckt auch ganz schön nach Sushi. Ich glaube, das gibt eine echt gute Vorspeise. Vielleicht noch mit einem kleinen bisschen Kresse obendrauf. Und vielleicht macht man es auf einer eckigen Brotscheibe, dann stimmt die Sushi Optik noch mehr.

Tröstende Kürbislasagne

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Langsam reichts mit dem Winter. Ich halt mich ja so gut es geht an die Jahreszeiten in der Küche. Aber langsam will ich wieder hellere, buntere Aromen. Um ein Herbst- und Wintergemüse hab ich aber bislang noch einen relativ großen Bogen gemacht, denn ich steh nicht so drauf: Kürbis. Entweder man macht ihn relativ pur, dann schmeckt er nach wenig, oder man gibt Curry & Co dazu, dann schmeckt er nicht mehr nach Kürbis. Dieses Rezept hier, eine Abwandlung einer Idee von Vincent Klink, umschifft beides: Kürbis pur in einem Umfeld, dass ihm wirklich schmeichelt, mit seinen beiden besten Freunden, Muskat und Salbei. Und so überstehen wir alle auch noch ein paar kalte Tage.

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Gebt dem Jazz den Groove (zurück)

Gestern Abend in München: Gut tausend Zuschauer, ein großer Teil von ihnen unter 30, feiern Jacob Collier. Der, selbst gerade 25 Jahre jung, entwickelte sich vom Internetwunder mit 3 Minuten Staunfaktor zu einem globalen Star einer Musik ohne Grenzen, die in der Vermittlung immer noch, und das auch zurecht, unter „Jazz“ firmiert, obwohl sich ihre Rezipienten der jüngeren Generation wenig um den Begriff scheren. Oder, und das behaupte ich einfach mal, die „Jazz“ wieder mit einem erstrebenswerten Style wider dem Mainstream verbinden.

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Respekt vor der Metzgersfrau

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Schlichtes Glück: Echte Folienkartoffeln

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Als ich vor mehr als 15 Jahren meine finnische Frau kennenlertne und irgendwann fragte, was die Finnen den wohl so essen, gab sie eine erstaunliche Antwort: Kartoffeln. Die Finnen können nicht ohne, es gibt nichts, was sie auf die Art satt und zufrieden macht. Auch in Deutschland gehörten sie lange zu fast jedem Essen. Und ich glaube, wir haben sie über die Mengen an Möglichkeiten und immer wieder neuen Ernährungsregeln irgendwann vergessen. Ja, ich glaube, wir haben sie nicht mehr lieb. Höchstens als Beilage zum Fleisch. Und in der Gastro geht Folienkartoffel in aller Regel so: Pellkartoffeln in Wasser kochen, in Alufolie einwickeln und fertig. Das ist natürlich großer Blödsinn. Besonders, weil eine echte Folienkartoffel ein solch schlichter, wie perfekter Genuss ist, dass ich nicht viel mehr dazu brauche, als Butter und Salz. Machen kann sie jeder Dreijährige. Man muss es nur mal tun! Und zwar so: Große, mehligkochende Kartoffeln gut waschen, auf einer Seite kreuzweise vielleicht 1 cm tief einschneiden, ein bisschen Öl und Salz drauf, fest in Alufolie einwickeln (glänzende Seite nach innen) und im auf 220 Grad vorgeheizten Ofen eine gute Stunde backen. Vor dem Auspacken mit einem kleinen Messer einstechen um zu sehen, ob sie weich sind. Dazu: Wenig. Kräuterquark, kräftiger weicher Käse, Räucherfisch, Hausmacher Wurst. Aber nur eins davon, nicht alles zusammen.

Veggie zum Ausflippen: Gefüllte Auberginen mit Couscous

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Ich weiss schon, man fragt sich, wo auf dem Bild die Auberginen sind. Aber ich garantiere, sie sind da. Und ich finde, türkisch inspiriertes Essen muss so. Eigentlich hatte ich mir ja, nachdem Vincent Klink sagte, es gäbe im Winter in seiner Küche keine einzige Tomate, vorgenommen, auch drauf zu verzichten. Aber heute wollte ich Gemüse satt, kriegte ein paar vorzeigbare Kirschtomaten und vor allem: grandiose hellviolett-getiegerte Auberginen. Es lohnt sich unbedingt, nach diesen, bzw. überhaupt den hellvioletten, weissfleischigen zu suchen. Man kriegt sie in türkischen Gemüsegeschäften und sie sind unvergleichlich zarter, cremiger und feiner, als die hierzulande verbreiteten schwarzen Auberginen. Die mit einer Tomaten-Feta Mischung überbacken und ein bisschen Joghurt dazu: unglaublich gut.

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Über das Glück, ein Musiker zu sein.

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Vor nun gut 30 Jahren, noch zu Zeiten der DDR, ging ein ambitionierter, junger Musiklehrer durch die Schulklassen und warb um Interessenten für das örtliche Jugendorchester. Bevor es ein richtiges Instrument gab, musste man ein Jahr lang Blockflöte durchhalten. Genau das Richtige für den blassen, stillen, zerbrechlichen Jungen, der ich damals war. Es war der Anfang der einen Sache, die, auf vielerlei Weise mein Leben bestimmen sollte und das bis heute tut: Die Auseinandersetzung mit Musik. Ihre Vermittlung ist heute mein Beruf. Aber ich habe tatsächlich in diesen 30 Jahren auch nie damit aufgehört, selbst Musik zu machen. Auch wenn ich eben kein Profimusiker geworden bin, wie ich es einst fest vorhatte. Aber was ist das überhaupt, ein „Profimusiker“? Für mich gibt es nur „Musiker“. Unterschiedlich gute, erfahrene, aktive. Unterwegs in den verschiedensten Richtungen. Und auch über mich selbst meine ich: Ich bin „Musiker“. Punkt. Es sind schwere Zeiten für Musiker, vor allem für die, die von ihrer Musik leben müssen. Selbst in einer so reichen Stadt wie München. Gigs ohne jede Gage sind die Regel, Gigs mit wenig Publikum, mit Leuten, denen die Musik total egal ist, mit grauenhaftem Sound, schlechter Organisation sind häufig. Es sind Momente, in denen man sich fragt, warum zum Teufel man sich das alles überhaupt noch antut. Wo man doch auch mit einem schönen Fläschchen Rotwein auf dem Sofa sitzen und Netflix schauen könnte. Und doch tun wir es weiter. Weil das Glücksgefühl in den Momenten, in denen die Sache funktioniert, mit nichts, aber auch gar nichts zu vergleichen ist. Gestern Abend war so ein Moment. Ein Gig mit einer wunderbaren Band, die auch noch aus Menschen besteht, die ich wirklich gerne habe, in einem grandiosen Laden, voll mit Leuten, die sich ein bisschen schick gemacht haben und sich darauf freuen, Musik zu hören. Unsere Musik. Und dann fließt alles, wird leicht, man merkt, dass wir alle zusammen dabei sind, wirklich in diesem Moment und nirgendwo sonst. Und wenn die Leute, so wie gestern Abend, dann zuhören, lächeln, jubeln, dann fühle ich mich auch auf eine Weise angenommen, wie sie schöner nicht sein könnte. Nach dem Gig sinke ich Backstage auf dem Sofa zusammen, es sind Minuten, durchflutet vom Glück und von der Dankbarkeit, nun schon 30 Jahre lang nie zu bequem, rational, gleichgültig oder zu dämlich gewesen zu sein, um auch nur ernsthaft dran zu denken, kein Musiker mehr sein zu wollen.