Lasst. Es. Raus.

fühlen

Ich habe einen Proberaum in einem Komplex im Münchner Westen. Es ist einer von vielleicht 50 in dem Gebäude neben den Bahngleisen. Immer wenn ich komme und gehe, höre ich das, was durch die Türen wummert. Blastbeats, Elektro, Metal, Bebop Lines, richtiger Noise und richtig guter Kram. Über allem wabern die Gras-Wolken. Mich macht das alles so glücklich. Ich hab mein Leben lang an solchen Orten rumgehangen. Sie fühlen sich vertraut und gut an. Orte des Man-Selbst-Seins, des Austobens, des Träumens. Für mich sind alle meine Nachbar*innen Stars. Egal, wie gut oder wie frisch. Ich glaube, analog und non-verbal einfach rauszulassen, was in uns drin ist, ist ein großes Glück. Und im Moment rettet es mir ein Stück weit den Verstand.

Keinen Stress mit Ramen

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Nein, das hat nicht so viele Toppings und die Brühe nicht so viel Tiefe, wie im guten Ramen Laden. Ja, ich hab ein bisschen gematscht und gekleckert beim Anrichten, weil ich Hunger hatte und Fleisch und Ei so weich waren, dass sie mir in den Fingern zerfallen wollten. Aber: War es gut? Auf jeden. War es Stress? Null. Selbstgekochte Brühe mit ein bisschen Misopaste. Zuckerschoten, Schweinebauch, weiches Ei. Nennen wir’s „zu Hause Ramen“, oder einfach: „saugeile Nudelsuppe“.

Lockdown Lektüre

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Eines der wenigen Dinge, die mir im Lockdown Freude machen: Neues in der Küche lernen. Letztes Jahr, besonders Dank School of Wok halbwegs authentisch Chinesisch Kochen, inkl. dem Umgang mit einem richtigen Wok. Und jetzt immer mehr das herzhafte Backen. Schon lange zuvor war mein großes Ziel: Italienisch Kochen, wie ein Italiener. Ich glaube, das habe ich wirklich mittlerweile drauf. Extrem geholfen und vor allem Lust drauf gemacht haben die Bücher von Claudio del Principe, der auch einen großartigen Blog, Anonyme Köche betreibt. Speziell „A mano“, also „per Hand“ hat mir die wunderbare Welt der frischen Pasta geöffnet. Ich glaube, alle, die das schon immer mal machen wollten, sollten mal einen Blick in das Buch werfen. Denn irgendwie lenkt einen das kraftvolle Kneten, vorsichtige ausrollen und konzentrierte Füllen eines Nudelteigs ab, von der allgemeinen Tristesse. Und das Essen schließlich, macht garantiert glücklich.

Meine ersten Karjalanpiirakka

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Karjalanpiirakka, karelische Piroggen, sind eines der beliebtesten finnischen Nationalgerichte. Und da ich mich im Lockdown zuletzt ganz gut mit (herzhaftem) Backen beschäftige, war das heute hier mal dran. Und ich finde, wenn auch ein bisschen ungleichmäßig, sind sie fürs erste Mal gut geworden. Die dünnen, herzhaften, mit leicht gesalzenem Milchreis gefüllten Fladen ist man traditionell mit einer Mischung aus hart gekochten Eiern und Dill. Und darauf kann man noch geben, was man will: Krabben, Räucherfisch, Schinken, ein bisschen Rohkost. Und ich finde, sie passen mit ihrer milden, zugleich kernigen und sättigenden Art gut in das aktuelle Mistwetter. Am besten zusammen mit einem großen Glas Milch. Ich habe das ohne Abweichung nach Rezept gemacht, besonders schön beschrieben finde ich dieses hier.