Die einzig echten Thüringer Klöße

schmecken

Es ist schon komisch: Obwohl ich fast täglich koche, aus Thüringen komme und Thüringer Klöße liebe, habe ich sie erst einmal selbst gemacht. Und ich meine, auch hier im Knödelland Bayern sind hausgemachte Kartoffelknödel die Ausnahme. Wir haben uns an die recht anständigen Fertigmassen gewöhnt. Und so bastele auch ich mehr an den perfekten Ravioli, aber das Nationalgericht meiner Heimat kann ich nicht.. Das muss sich ändern, heute also zum zweiten Mal hausgemachte Thüringer Klöße und ich hab jetzt entschieden: Wann immer möglich bleibt die Fertigmasse im Supermarkt. Denn wenn solche Dinge keiner mehr kocht, gehen die Rezepte verloren. Und im Falle der echten (!) Thüringer Klöße ist das zumindest online schon fast der Fall: Kaum ein Rezept ist wirklich richtig, vor allem in der Technik. Und die ist die Kunst, denn man braucht für das Original tatsächlich ausschließlich Kartoffeln, der Rest ist Handwerk.

So geht’s:

Ich muss voraus schicken, dass dies kein einfaches Gericht ist. Es braucht wirklich Übung und Gefühl. Auch mein Ergebnis heute war zwar gut aber nicht annähernd perfekt. Der vollkommene Thüringer Kloß ist weich und zart, regelmäßig geformt aber keine runde Kugel, sondern er läuft auf dem Teller ein bisschen breit und schmeckt nach Kartoffel pur. Man braucht ein bisschen, bis man das meistert. Aber auch bis dahin kommt immer etwas Gutes dabei heraus und so macht das Üben Spaß.

Jedenfalls: Wir brauchen gute, große, mehligkochende Kartoffeln. Pro Person zwei Stück. Alle schälen und in kaltes Wasser legen.

1/3 der Kartoffeln in Stücke schneiden, in einem Topf knapp mit Wasser bedecken, etwas Salz und ganz weich kochen. Dann zusammen mit dem Wasser stampfen, so dass eine sehr dickflüssige Kartoffelsuppe entsteht. Wird es zu fest, noch ein bisschen Wasser.

Parallel für die Füllung in einer Pfanne ein paar Semmelwürfel in Butter anrösten. Einen großen Topf mit gesalzenem Wasser auf den Herd stellen und heiß werden lassen.

Die restlichen 2/3 der Kartoffeln auf einer Küchenreibe auf der feinsten Fläche reiben. Dann, ggf. portionsweise, in ein sauberes Küchentuch geben und ganz gaaaanz fest ausdrücken, dabei den Saft in einer Schüssel auffangen. Den Saft einen Moment stehen lassen, dann vorsichtig abgießen so dass die Kartoffelstärke am Boden zurück bleibt. Die trockene Kartoffelreibe dazu. Salz und ein bisschen Muskat.

Das Kartoffelpüree auf dem Herd nochmal richtig heiß machen und dann in die Schüssel zur rohen Kartoffelreibe geben. Jetzt mit einem Quirl oder Holzlöffel alles eine Minute lang kräftig verrühren. Am besten hält eine zweite Person dabei die Schüssel fest. Wenn die Masse homogen ist und sich etwas vom Schüsselrand löst, ist sie gut.

Jetzt unbedingt mit einem Teelöffel etwas Masse abstechen, ins siedende aber nicht kochende Wasser geben und ein Probeklösschen kochen. Wenn es aufsteigt, probieren. Wenn es hält, aber wirklich schön weich ist, ist die Masse gut. Fällt es auseinander, ein bisschen Kartoffelstärke in die Masse rühren. Das ist kein Schummeln, denn die Thüringer haben für das perfekte Trockenpressen der Rohmasse ein Gerät, an das man wohl sonst kaum rankommt und so ist die Variante mit dem Tuch nur ein Behelf.

Jetzt Klöße mit feuchten Händen formen und in die Mitte immer ein paar Brotwürfel. Und dann direkt uns siedende Wasser. Dann kurz den Topf rütteln, damit der Kloß nicht ansetzt. Auch das Formen ist ob der weichen, recht klebrigen Masse gar nicht so einfach und perfekt gleichmäßige Klöße sind eine echte Kunst. Dem Geschmack tut das aber keinen Abbruch.

Sind alle Klöße im Wasser 25 Minuten ziehen lassen, nicht sprudelnd kochen, nur sieden.

Ganz klassisch gibt es zu den Klößen Rinderrouladen oder Sauerbraten. Aber auch ein Schweinsbraten geht gut, Thüringen-typisch eher mit Sauerkraut und ungebundenen Natur-Bratensaft. Veggies machen sich eine schöne Pilzsoße.

Bei einer Sache hab ich aber doch gemogelt: Auf meinem Foto hab ich ein bisschen Bröselschmelze auf den Kloß. Das macht man eigentlich nur in Süddeutschland. Und ich habe den Kloß nicht, wie es sich unbedingt gehört, aufgerissen und ordentlich Soße hinein gegeben. Eigentlich muss das so wie hier…

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