Feierabend

Allgemein

Es ist kurz vor zwölf, draußen hetzen die Pariser durch den kalten Novemberregen. Nasses Laub, die Gullis laufen voll, der Verkehr lärmt. Um den kleinen Tresen in der Markthalle nahe dem Garre de l’est hat sich eine kleine Gruppe Männer versammelt. Die meisten arbeiten hier. Und kurz vor Mittag, ist ihr Arbeitstag schon rum. Es gibt Feierabendbier, alle rauchen und schnippen die Kippen auf den Boden. Der Geruch von Rauch und Kaffee mischt sich mit dem von gebratenen Hühnern, Couscous, Tajine und feuchten Schnittblumen. Der Wirt hinter dem mit Kitsch und Krempel vollgestellten Tresen raucht Zigarillos und plaudert mit dem Stammgästen in der, den Parisern eigenen, toughen Melancholie. Jede Markthalle hat einen Ort wie diesen. Eine Theke, an der die Marktleute nach getaner Arbeit abhängen, trinken und runterkommen. Ich liebe diese Orte, sie sind unverstellt, einfach und gemütlich und immer Spiegel des Gefühls einer Stadt. Ich traue mich und schiebe meinen Barhocker näher an die der Jungs. „Where are you from?“ „Germany.“ „Well, nobody is perfect.“ Ich glaube, das heisst so viel wie „Ich find dich ok.“ Wir quatschen, die Jungs im gebrochenen Englisch, ich mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Französisch. Ist ja auch egal. Viel wichtiger: Ich hocke cool mit dabei und für einen Moment fühle ich mich an der Theke zu Hause, einen Moment bin ich ein Pariser.

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