Dötsch.

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Dötsch. Dieses Wort sollte man eigentlich erstmal wirken lassen. Es ist der Name eines Gerichts aus meiner Heimat Thüringen, ein ganz spezieller Heringssalat, der bei uns traditionell am 24.12. gegessen wurde, und zwar NUR dann. Die Zubereitung oblag meinem Großvater und das Gericht verkörpert für mich den Geschmack von Weihnachten mehr als Gänsebraten und Lebkuchen. Ich wollte das hier schon ganz lange mal bringen, denn ich glaube nicht, dass es viele kennen, aber es ist wirklich ganz großartig, perfekt in der kalten Zeit aber wirklich zu schade, um es nur an Weihnachten zu essen. Besonders ist die Kombination von Fisch und Fleisch, der Geschmack ist leicht, würzig, säuerlich, fruchtig und wunderbar erfrischend. Kein Vergleich zum süß-sauren Majonaisse-Alptraum, der einem normalerweise als Heringssalat angedreht wird. Zu dem kühlen Salat dann noch schöne, mehlige Pellkartoffeln mit ein bisschen Butter und Salz. Mehr geht nicht.

Winterpasta: Orecchiette con lenticchie

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Ja, schon wieder Linsen, aber so gut, dass ich drüber schreiben muss. Ich weiss gar nicht, ob das so ganz genau wirklich ein italienisches Gericht ist. Aber die Kombination aus Linsen und Pasta ist ein klassische, ja auch bei uns in Deutschland in Form von Linsen mit Spätzle. Das hier hat ein bisschen mehr Biss und eine etwas frischere Würzung. Und wärmt und schmeckt einfach umwerfend.

Feierabend

Allgemein

Es ist kurz vor zwölf, draußen hetzen die Pariser durch den kalten Novemberregen. Nasses Laub, die Gullis laufen voll, der Verkehr lärmt. Um den kleinen Tresen in der Markthalle nahe dem Garre de l’est hat sich eine kleine Gruppe Männer versammelt. Die meisten arbeiten hier. Und kurz vor Mittag, ist ihr Arbeitstag schon rum. Es gibt Feierabendbier, alle rauchen und schnippen die Kippen auf den Boden. Der Geruch von Rauch und Kaffee mischt sich mit dem von gebratenen Hühnern, Couscous, Tajine und feuchten Schnittblumen. Der Wirt hinter dem mit Kitsch und Krempel vollgestellten Tresen raucht Zigarillos und plaudert mit dem Stammgästen in der, den Parisern eigenen, toughen Melancholie. Jede Markthalle hat einen Ort wie diesen. Eine Theke, an der die Marktleute nach getaner Arbeit abhängen, trinken und runterkommen. Ich liebe diese Orte, sie sind unverstellt, einfach und gemütlich und immer Spiegel des Gefühls einer Stadt. Ich traue mich und schiebe meinen Barhocker näher an die der Jungs. „Where are you from?“ „Germany.“ „Well, nobody is perfect.“ Ich glaube, das heisst so viel wie „Ich find dich ok.“ Wir quatschen, die Jungs im gebrochenen Englisch, ich mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Französisch. Ist ja auch egal. Viel wichtiger: Ich hocke cool mit dabei und für einen Moment fühle ich mich an der Theke zu Hause, einen Moment bin ich ein Pariser.

Linsen mit Kürbis und Mangold

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Ich sage es ja nur ungern, aber dieses so schlicht wirkende Gericht gehört wirklich zu den besten, die mir jemals eingefallen sind. Sonst arbeite ich mich ja eher an den Klassikern ab, wirkliche Neukreationen sind selten und oft stehen sie hinter den Klassikern zurück. Aber diese Harmonie der, mir zumindest nicht als klassisch bekannten Kombination aus Linsen, Kürbis und Mangold, ist wirklich erstaunlich. Was das Gericht zudem raffiniert, und auch gar nicht so ganz anspruchslos in der Zubereitung macht, ist, dass jede Komponente separat gegart wird und man alles erst am Ende zusammen fügt. Das sorgt für den perfekten Garpunkt der einzelnen Gemüse und auch dafür, dass alles seinen Charakter behält. Ich meine aber, das kriegt jeder hin, nur ein bisschen Zeit und Sorgfalt braucht es, aber die wird belohnt und ich verbringe sowieso immer gerne Zeit in der Küche. Ach so, extrem leicht und vegan ist das Ganze auch noch. Und es passt perfekt in den Spätherbst.