Feierabend

Allgemein

Es ist kurz vor zwölf, draußen hetzen die Pariser durch den kalten Novemberregen. Nasses Laub, die Gullis laufen voll, der Verkehr lärmt. Um den kleinen Tresen in der Markthalle nahe dem Garre de l’est hat sich eine kleine Gruppe Männer versammelt. Die meisten arbeiten hier. Und kurz vor Mittag, ist ihr Arbeitstag schon rum. Es gibt Feierabendbier, alle rauchen und schnippen die Kippen auf den Boden. Der Geruch von Rauch und Kaffee mischt sich mit dem von gebratenen Hühnern, Couscous, Tajine und feuchten Schnittblumen. Der Wirt hinter dem mit Kitsch und Krempel vollgestellten Tresen raucht Zigarillos und plaudert mit dem Stammgästen in der, den Parisern eigenen, toughen Melancholie. Jede Markthalle hat einen Ort wie diesen. Eine Theke, an der die Marktleute nach getaner Arbeit abhängen, trinken und runterkommen. Ich liebe diese Orte, sie sind unverstellt, einfach und gemütlich und immer Spiegel des Gefühls einer Stadt. Ich traue mich und schiebe meinen Barhocker näher an die der Jungs. „Where are you from?“ „Germany.“ „Well, nobody is perfect.“ Ich glaube, das heisst so viel wie „Ich find dich ok.“ Wir quatschen, die Jungs im gebrochenen Englisch, ich mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Französisch. Ist ja auch egal. Viel wichtiger: Ich hocke cool mit dabei und für einen Moment fühle ich mich an der Theke zu Hause, einen Moment bin ich ein Pariser.

Linsen mit Kürbis und Mangold

schmecken

Ich sage es ja nur ungern, aber dieses so schlicht wirkende Gericht gehört wirklich zu den besten, die mir jemals eingefallen sind. Sonst arbeite ich mich ja eher an den Klassikern ab, wirkliche Neukreationen sind selten und oft stehen sie hinter den Klassikern zurück. Aber diese Harmonie der, mir zumindest nicht als klassisch bekannten Kombination aus Linsen, Kürbis und Mangold, ist wirklich erstaunlich. Was das Gericht zudem raffiniert, und auch gar nicht so ganz anspruchslos in der Zubereitung macht, ist, dass jede Komponente separat gegart wird und man alles erst am Ende zusammen fügt. Das sorgt für den perfekten Garpunkt der einzelnen Gemüse und auch dafür, dass alles seinen Charakter behält. Ich meine aber, das kriegt jeder hin, nur ein bisschen Zeit und Sorgfalt braucht es, aber die wird belohnt und ich verbringe sowieso immer gerne Zeit in der Küche. Ach so, extrem leicht und vegan ist das Ganze auch noch. Und es passt perfekt in den Spätherbst.

Gelber Borschtsch

schmecken

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Seit mir einmal eine gute Freundin, die viel in Russland ist, gezeigt hat, wie einfach es ist, einen Borschtsch zu kochen und wie gut der tut, besonders, wenn es draußen dunkel und kalt wird, gehört dieses Gericht zu meinen absoluten Lieblingseintöpfen. Ich glaube, DAS Borschtsch Rezept gibt es nicht. Am bekanntesten ist natürlich die Variante mit Roter Beete und Weißkohl. Aber es gibt auch grünen Borschtsch mit Sauerampfer,  Varianten mit Schweinerippchen, Rindfleisch, Speck. Und hier, noch nie gesehen und deshalb irgendwie meine Variante: mit Gelber Beete, die süßer ist und weniger erdig schmeckt als die rote.