Paris erschmecken

Nach drei Tagen Paris bin ich platt. Und vollkommen pleite. Ich habe schon fast alle europäischen Hauptstädten gesehen, aber Paris ist vielleicht die intensives. Überirdisch regieren die Autos. Ein unendlicher, lärmender Strom. Die Menschen schlängeln sich hindurch, zu Fuß, auf Motorrollern oder kleinen E-Kickboards. Alles schiebt, hetzt, kämpft um Platz. Unterirdisch drängen die Menschenmassen durch die verwinkelten Labyrinthe der Metro. In den vollen Zügen haben viele die Augen zu, träumen sich weg vom Lärm und der Enge. Ein Pariser sagt mir, jeder Tag, den man übersteht, ist ein kleiner Triumph. Selbst die Kinder hier scheinen tougher als ich.Doch die Stadt ist auch prallvoll mit Leben und Energie. Und einer überwältigenden Masse an Möglichkeiten. Ich will mich wie immer mittenrein werfen. Ohne Sightseeing, ohne TripAdvisor. Lieber ein bisschen mit den Leuten reden, in einfachen Bars und Kaffees rumhängen, rumlaufen, auf Märkte gehen.

Die Stadt ist so prall, dass man mit, sie könnte jederzeit platzen. Und sie ist auch vor allem: Schockierend teuer. Arglos drei Bier in einer nicht mal so schicken Bar? 45 €. Da lacht man nur noch über die Wiesn Preise. Wurscht. Einfach nicht drüber nachdenken. Auch was die Küche angeht kann man sehr leicht daneben liegen. Sauteuer und lieblos, jedenfalls an vielen Stellen rund um die Sehenswürdigkeiten. Ich glaube, wer wirklich altmodische, französische Klassiker sucht, findet sie eher auf dem Land. Hier, in der Stadt, sind die Spitzenköche längst über die Gerichte ihrer Großeltern hinweg. Und die Alltagsküche ist vielerorts die der Einwanderer, der Afrikaner, Asiaten und Inder. Doch, da bin ich nicht anders als jeder Andere, ich will doch zumindest einige Klassiker probieren. Und nach mehreren glücklosen Anläufen ging das doch noch gut. In einem Bistro etwas abseits.Zur Vorspeise: Schnecken, in einer wirklich wunderbaren, Estragon-starken Kräuterbutter. So gut, dass eine zweite Portion her musste. Dazu kalter Chablis.Zum Hauptgang Gekochtes vom Kalbskopf, schmelzend zart, mit Stücken von Maul, Zunge und Hirn und saugute Remoulade. Geschafft. Locker lassen.Toller Brunch in einem bunten Hippie-Laden mit Köchen aus der Karibik. Frischer, gebeizter Lachs, Brisket mit Zwiebeln, gekochtes, würzige Getreide. Daumen hoch in die offene Küche. „Tank you mann!“Zum Abschluss einem Tipp des Barkeepers aus der Eckkneipe gefolgt. Afrikanisch, richtig gut. Zur Vorspeise süße, Frittierte Kochbananen mit einer sehr guten, würzigen Zwiebelsoße. Eine Kombination, die ich mir merken muss.Zum Hauptgang sehr gutes, mild-würziges Huhn mit Gemüse und, besonders gut, rotem Reis, Gewürz-stark und rauchig im Geschmack. Dazu ein Ingwersaft, der einen, ob seiner scharf-süßen Stärke fast aus den Latschen haut aber auch echt munter macht.Draußen hat es aufgehört zu regnen. Noch ein Kaffee auf der Straße, nochmal uzm die Ecke, und die nächste. Bis mich die Metro wieder gen Flughafen verschluckt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s