Respekt vor der Metzgersfrau

fühlen

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In München gibt es eine berühmte Metzgerei. Vielleicht ist es DIE beliebteste in der ganzen Stadt. Die Ware ist 1a. Zwar nicht bio, aber aus bäuerlicher, regionaler Aufzucht. Und von guter Qualität. Und zugleich absolut bezahlbar. Fleisch für den qualitätsbewussten täglich-Fleischesser, von der Oma bis zum Nachwuchs. Der Laden verkörpert Vieles, was man im Bereich des Einzelhandels längst verloren glaubte.

Besonders: Er hat eigentlich immer zu, wenn ich gerne einkaufen würde. Ich glaube, sie machen um sieben auf. Und ganz sicher um 13 Uhr zu. In der Zwischenzeit brummt der Laden. Und das vielleicht noch bemerkenswertere Relikt: Die Verkäuferinnen, und es sind ausschließlich Frauen, machen einem im ersten Moment Angst. Sie sind der Typ gestandener bayrischer Frauen zwischen Mitte 40 und Ende 50 mit denen man ganz ganz sicher besser keinen Streit anfängt. Es umweht sie eine Autorität, oft auch ein latenter Grant, der sich schon durch kleinstes Fehlverhalten der Kundschaft Bahn brechen kann. Sich nicht schnell entscheiden und die Entscheidung nicht knapp, deutlich und präzise kommunizieren? Ganz schlecht. Statt „Halsgrat“ „Nacken“ sagen? Auweia. „die Mettwurst da“, statt „die Polnische“? Keine gute Idee. Ich glaube dennoch, dass die Damen ihren Job gerne und mit Hingabe erledigen. Aber was ihnen absolut fremd ist, ist das Kriechen vor der Kundschaft oder jede Art von verlogener Unterwürfigkeit. Wenn man sich benimmt und, auch ganz wichtig, öfter kommt, werden sie zu Verbündeten Sie besorgen einem Zuschnitte, die man erst live machen muss, drehen einem frisches Fleisch zu Mett durch, schneiden Rouladen, vakuumieren Sachen, die man Freitag kauft und erst Sonntag braucht und bestellen einem Dinge wie Bries oder Hirn vom Schlachthof. Mir ist diese Art von Augenhöhe zwischen Verkäufer und Kunden sehr recht. Ich kenne sie auch von meinem Wein- und meinem Fisch-Händler. In Zeiten der DDR, in denen man sich gelangweilten Verkäuferinnen noch mit „entschuldigen sie bitte die Störung“ nähern und mit Gefälligkeiten bestechen musste, um vielleicht mal was Gutes zu bekommen, sehne ich mich nicht zurück. Aber Leute, die mit Haltung hinter dem stehen, was sie verkaufen und wie sie das tun, sind mir viel lieber als anonyme, unterbezahlte Regalfüller, denen es, und das ist kein Vorwurf, herzlich egal ist, ob sie mit Olivenöl handeln oder mit Motoröl.

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