Schlichtes Glück: Echte Folienkartoffeln

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Als ich vor mehr als 15 Jahren meine finnische Frau kennenlertne und irgendwann fragte, was die Finnen den wohl so essen, gab sie eine erstaunliche Antwort: Kartoffeln. Die Finnen können nicht ohne, es gibt nichts, was sie auf die Art satt und zufrieden macht. Auch in Deutschland gehörten sie lange zu fast jedem Essen. Und ich glaube, wir haben sie über die Mengen an Möglichkeiten und immer wieder neuen Ernährungsregeln irgendwann vergessen. Ja, ich glaube, wir haben sie nicht mehr lieb. Höchstens als Beilage zum Fleisch. Und in der Gastro geht Folienkartoffel in aller Regel so: Pellkartoffeln in Wasser kochen, in Alufolie einwickeln und fertig. Das ist natürlich großer Blödsinn. Besonders, weil eine echte Folienkartoffel ein solch schlichter, wie perfekter Genuss ist, dass ich nicht viel mehr dazu brauche, als Butter und Salz. Machen kann sie jeder Dreijährige. Man muss es nur mal tun! Und zwar so: Große, mehligkochende Kartoffeln gut waschen, auf einer Seite kreuzweise vielleicht 1 cm tief einschneiden, ein bisschen Öl und Salz drauf, fest in Alufolie einwickeln (glänzende Seite nach innen) und im auf 220 Grad vorgeheizten Ofen eine gute Stunde backen. Vor dem Auspacken mit einem kleinen Messer einstechen um zu sehen, ob sie weich sind. Dazu: Wenig. Kräuterquark, kräftiger weicher Käse, Räucherfisch, Hausmacher Wurst. Aber nur eins davon, nicht alles zusammen.

Veggie zum Ausflippen: Gefüllte Auberginen mit Couscous

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Ich weiss schon, man fragt sich, wo auf dem Bild die Auberginen sind. Aber ich garantiere, sie sind da. Und ich finde, türkisch inspiriertes Essen muss so. Eigentlich hatte ich mir ja, nachdem Vincent Klink sagte, es gäbe im Winter in seiner Küche keine einzige Tomate, vorgenommen, auch drauf zu verzichten. Aber heute wollte ich Gemüse satt, kriegte ein paar vorzeigbare Kirschtomaten und vor allem: grandiose hellviolett-getiegerte Auberginen. Es lohnt sich unbedingt, nach diesen, bzw. überhaupt den hellvioletten, weissfleischigen zu suchen. Man kriegt sie in türkischen Gemüsegeschäften und sie sind unvergleichlich zarter, cremiger und feiner, als die hierzulande verbreiteten schwarzen Auberginen. Die mit einer Tomaten-Feta Mischung überbacken und ein bisschen Joghurt dazu: unglaublich gut.

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Über das Glück, ein Musiker zu sein.

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Vor nun gut 30 Jahren, noch zu Zeiten der DDR, ging ein ambitionierter, junger Musiklehrer durch die Schulklassen und warb um Interessenten für das örtliche Jugendorchester. Bevor es ein richtiges Instrument gab, musste man ein Jahr lang Blockflöte durchhalten. Genau das Richtige für den blassen, stillen, zerbrechlichen Jungen, der ich damals war. Es war der Anfang der einen Sache, die, auf vielerlei Weise mein Leben bestimmen sollte und das bis heute tut: Die Auseinandersetzung mit Musik. Ihre Vermittlung ist heute mein Beruf. Aber ich habe tatsächlich in diesen 30 Jahren auch nie damit aufgehört, selbst Musik zu machen. Auch wenn ich eben kein Profimusiker geworden bin, wie ich es einst fest vorhatte. Aber was ist das überhaupt, ein „Profimusiker“? Für mich gibt es nur „Musiker“. Unterschiedlich gute, erfahrene, aktive. Unterwegs in den verschiedensten Richtungen. Und auch über mich selbst meine ich: Ich bin „Musiker“. Punkt. Es sind schwere Zeiten für Musiker, vor allem für die, die von ihrer Musik leben müssen. Selbst in einer so reichen Stadt wie München. Gigs ohne jede Gage sind die Regel, Gigs mit wenig Publikum, mit Leuten, denen die Musik total egal ist, mit grauenhaftem Sound, schlechter Organisation sind häufig. Es sind Momente, in denen man sich fragt, warum zum Teufel man sich das alles überhaupt noch antut. Wo man doch auch mit einem schönen Fläschchen Rotwein auf dem Sofa sitzen und Netflix schauen könnte. Und doch tun wir es weiter. Weil das Glücksgefühl in den Momenten, in denen die Sache funktioniert, mit nichts, aber auch gar nichts zu vergleichen ist. Gestern Abend war so ein Moment. Ein Gig mit einer wunderbaren Band, die auch noch aus Menschen besteht, die ich wirklich gerne habe, in einem grandiosen Laden, voll mit Leuten, die sich ein bisschen schick gemacht haben und sich darauf freuen, Musik zu hören. Unsere Musik. Und dann fließt alles, wird leicht, man merkt, dass wir alle zusammen dabei sind, wirklich in diesem Moment und nirgendwo sonst. Und wenn die Leute, so wie gestern Abend, dann zuhören, lächeln, jubeln, dann fühle ich mich auch auf eine Weise angenommen, wie sie schöner nicht sein könnte. Nach dem Gig sinke ich Backstage auf dem Sofa zusammen, es sind Minuten, durchflutet vom Glück und von der Dankbarkeit, nun schon 30 Jahre lang nie zu bequem, rational, gleichgültig oder zu dämlich gewesen zu sein, um auch nur ernsthaft dran zu denken, kein Musiker mehr sein zu wollen.

 

Tofu-Locken

dav

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Ich werde es ja nicht müde zu betonen: Es ist für mich, der zumindest aus der fernen Erinnerung noch andere Zeiten kennt, wirklich eine große Freude, was man sich an internationalen Einflüssen heute auch zu Hause erschmecken kann. In einem Asiamarkt in München entdeckte ich neulich diese „Locken“ aus getrocknetem, dünnblättrigen Tofu. Ich hatte sie schon einmal in einem Hotpot Laden gesehen und mochte sie wegen ihrer interessanten Konsistenz und ihrer Fähigkeit, viel Geschmack aufzunehmen. Und nach dem ersten Eigenversuch bin ich begeistert. Und meine: So wie hier, zusammen mit Nüssen und knackigem Gemüse und einer einfachen, runden Würzung, vielleicht zusammen mit einer Schale Reis, ist das ein veganes, extrem leichtes, aber wirklich kräftiges und sättigendes Gericht. Und dann gibt’s demnächst auch wieder ein tolles Stück Fleisch.

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Udon home style

Mein erster Versuch mit selbstgemachten Udon, also dicken, japanischen Nudeln, nur aus Wasser, Mehl und ein bisschen Salz. Ich bin total glücklich mit dem Ergebnis, auch wenn nichts, weder die Nudeln, noch die Brühe, wirklich echt japanisch sind. Aber ich meine, man sollte beim Kochen zu Hause keine Angst und keine Sorgen haben. Klar ist die Brühe in der Suppenküche, über Stunden aus Knochen, Kombu, Fischflocken und Gemüse gekocht der Hammer. Aber zu Hause tut es auch eine einfache Gemüse- oder Hühnerbrühe, ein Löffel Miso, ein bisschen Ingwer, Sojasoße und vielleicht ein bisschen Sesamöl. Und wenn die Nudeln ein bisschen ungleichmäßig sind, schmecken tun sie trotzdem.

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Post von Vincent

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Seit bestimmt 25 Jahren interessiere ich mich für das Thema Küche im allerweitesten Sinne. Über die Jahre ist mein Interesse an dem Thema weit über das reine Kochen hinaus gewachsen, hin zur Philosophie, der Kultur und den Geschichten und Köpfen der Küche. Eine Schlüsselfigur war und ist der großartige, weise Vincent Klink. Zuerst seine Autobiografie „Sitting Küchenbull“ und davon ausgehend seine Reisegeschichten, Blogeinträge, Artikel in ZEIT & Co. und sein wunderbarer Blog auf www.wielandshoehe.de Und da Vincent nicht nur ein unglaublich schlauer, sondern auch noch ein unfassbar netter Mensch ist, hat sich zwischen uns eine kleine Brieffreundschaft entwickelt. Das, wie immer in feiner Füller-Schrift geschriebene Kärtchen, welches dieser Tage als Reaktion auf mein bescheidenes, erstes Küchen-Büchlein ins Haus flatterte, gehört zu den schönsten Ermutigungen des schreibenden, fotografierenden, Küchen-denkenden Teils meines Lebens. Und es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit darüber, dass es Menschen wie Vincent überhaupt gibt.

Wintersonne: Chicoreesalat mit Apfel, Mandarine, roter Zwiebel und Salz-Krokant

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Es passiert selten, dass ich mir ein neues Gericht einfach nur vorstelle und dann einmal mache und es gleich 100%ig funktioniert. Und es passiert noch seltener, dass ich bei einem schlichten Salat wirklich ausflippe. Das hier, lasst Euch von der milden Optik nicht täuschen, ist eine absolute Granate: Knackig, süß, sauer, bitter, salzig, knusprig, fruchtig. Und es kriegt jeder hin, nur: Man braucht guten Chicoree, der wirklich noch ein bisschen bitter schmeckt. Lose gekauft im Gemüseladen sind die Chancen wohl am besten. Und natürlich tolle Mandarinen und gute Äpfel. Und man muss mutig würzen, denn das hier ist kein Obstsalat, sondern ein herzhaftes Gericht. Und das geht als kleine Zwischenmahlzeit, oder, wahrscheinlich am besten, als Vorspeise, die Lust macht auf alles, was da noch kommt.

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Miesmuscheln mit Sahne, Lissabon Style

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Jedes Jahr die selbe Geschichte: Die Frauen- und Küchenzeitschriften stellen direkt um von „die schönsten Weihnachtsrezepte“ zu „die besten Diäten“. Macht den Quatsch eigendlich ernsthaft jemand mit? Jedenfalls: Miesmuscheln sind ein wunderbar kalorienarmes Lebensmittel. Genau das Richtige, um nach den Feiertagen ein paar Pfunde zu verlieren. Um das zu verhindern, gibt es hier ein Rezept, bei dem man, wenn man nach dem Essen die Zugspitze besteigt, oben immer noch die Hälfte der Energie übrig hat. Denn Anfang Januar brauchen wir vor allem: Wärme und ein bisschen Trost. Kenner essen diese Muscheln übrigens gerne mit einer Portion Pommes. 🙂

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