Ein perfektes Brathähnchen

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Brathähnchen aus dem Ofen sind wieder mal so ein perfektes Beispiel dafür, dass die scheinbar einfachen Sachen oft die schwierigsten sind. Denn: Wir haben das alle schon hundertmal gegessen und wissen genau, wie es schmecken soll. Das hier ist für mich, nach vielen Varianten, für den Moment der Best-Stand der Dinge. Ich schreibe auch bewusst „EIN“ perfektes Brathähnchen. Denn alle Rezepte, die behaupten, sie seien die EINE perfekte Variante, lügen. Aber ich meine, das hier ist richtig gut und absolut leicht zu machen. Und macht einfach glücklich. Das Schwerste an der Sache ist auch gleichzeitig das Wichtigste: Ein gutes Huhn zu kriegen.

Was ist ein gutes Huhn? Für mich eins, das vernünftig gelebt hat, ein bisschen Fett hat, aber nicht zu viel. Und das einfach wirklich nach etwas schmeckt. Das heisst dann praktisch: Ein Freilandhuhn sollte es auf jeden Fall sein. Bio ist schön, aber für mich kein Muss. Ich meine, auch der Preis ist ein Anhaltspunkt: Ich bin überzeugt, ein gutes Huhn muss mindestens zehn Euro kosten, darunter kann es nicht gehen. Französische Ware ist oft gut. Deutsche, z.B. vom Bauern oder vom Markt natürlich auch. Beim Rindfleisch hat sich ein bisschen mehr Qualitätsdenken entwickelt, einfach auch, weil schlecht marmoriertes, unabgehangenes Fleisch praktisch immer zäh ist. Ein Quäl-Huhn wird in der Regel trotzdem weich. Und wenn man genug Brathähnchen-Gewürzmischung draufgibt, wie in den meisten Hühnergrills, in denen die zubereiteten (!) Hühner oft schon für fünf, sechs Euro das Stück zu haben sind, dann merkt man auch gar nicht, dass die Dinger nach nix schmecken. Hauptsache salzig und Ketchup dazu und gut. Ich habe hier in München das Glück, dass es eine Frischeparadies-Filiale gibt, mit, gerade bei Geflügel, toller Auswahl. Das Huhn hier ist ein französisches „Label Rouge“ Schwarzfußhuhn. Nicht bio, aber Freiland. Und mit ca. 15 € für ein 1,4 kg Tier, von dem locker zwei, vielleicht auch drei Leute satt werden, absolut bezahlbar.

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Und so mache ichs:

Ofen auf volle Hitze Umluft und Grill oder Ober-/Unterhitze vorheizen.

Mit einer Geflügelschere aus dem Huhn das Rückgrad herausschneiden und dann auf einem Brett so flach drücken, dass die komplette Hautseite flach oben liegt. Spitzen der Flügel abschneiden.

100 Gramm Butter mit reichlich frischem Thymian, dem Abrieb einer Zitrone, Salz und Pfeffer vermischen. Mit zwei Fingern unter die Haut von Brust und Keulen fahren und diese leicht vom Fleisch lösen. In diese „Taschen“ die Butter füllen. Die Würzung der Butter kann man variieren. Aber nicht übertreiben, ein, zwei auch nicht zu starke Aromen, damit das Huhn geschmacklich nicht überdeckt wird. Ein paar Optionen: dünne Scheibchen vom Schwarzen Trüffel (noch nie gemacht und heute keine gekriegt, aber jetzt werden sie langsam gut), Rosmarin, Salbei. Aber eben nicht die üblichen Starkschmecker wie Curry, Paprikapulver etc., die nur den Nicht-Geschmack des Produkts kaschieren sollen.

Huhn von außen auf der Ober- und Unterseite mit etwas Olivenöl benetzen und leicht salzen und auf ein Blech oder eine Bratform geben.

Ofen jetzt auf 160 Grad Umluft + Grill (oder 180 Grad Ober-/Unterhitze) runterschalten. Huhn auf die mittlere Schiene stellen und zwar so, dass die Brust in Richtung Ofentür und die Enden der Keulen in Richtung Ofeninneres zeigen.

Huhn 30 min. braten. Dann einmal mit dem ausgetretenen Saft und der Butter begießen. Nochmal zehn Minuten weiter braten. Die letzten fünf Minuten Grill auf volle Kanne stellen und, unter regelmäßigem Begießen mit dem Bratsaft, bis zur gewünschten Bräunung grillen.

Huhn aus dem Ofen nehmen und vor dem Servieren unbedingt zehn Minuten ruhen lassen. Tranchieren / zerteilen. Und wer mag gibt ein bisschen (!) vom Bratsaft über jedes Stück, aber nicht zu viel, da im Prinzip die blanke, geschmolzene Butter.

Dazu brauche ich ganz, ganz wenig. Bloß keine Soße, denn ein gutes Huhn hat einen zarten, klaren Eigengeschmack, den ich unbedingt pur will. Am liebsten nur ein bisschen Salat und ein Stückchen Brot. Und ein Glas Weißwein.

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