Ragufeng

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Wenn Till Schneider demnächst nach einem Titel für seine neue romantische Komödie sucht, bin ich gerne bereit, über den Preis von „Ragufeng“ zu verhandeln. Der Film muss dann aber im Osten spielen. Schon erstaunlich: Die DDR und BRD hatten wenige kulinarische Klassiker gemein. Doch „Ragout Fin“ gab es, besonders in den 70ern und 80ern auf beiden Seiten der Mauer. Im Osten auch als „Würzfleisch“ bekannt, wohl, um mit dem französisch anmutenden Originalnamen keine Sehnsüchte zu wecken. Ich hege wenig romantische Gedanken für die DDR. Auch deren Restaurantküche war mehrheitlich ein Elend. Aber diesen legendären Snack will ich noch immer gelegentlich. Im Original wird er aus Kalbfleisch gemacht. Ich bezweifele aber, dass das oft der Fall war. Ich finde, er ist eine geniale Möglichkeit, Reste vom letzten Brathähnchen zu was Tollem zu verarbeiten.

Rezept für zwei Personen

Man braucht zwei Hand voll gekochtes Hühnerfleisch. Am besten pflückt man es von der ausgelösten Karkasse eines Brathähnchens vom Vortag ab. Aus den Knochen kann man auch noch eine kleine Brühe kochen.

In einem Topf 2 EL Butter schmelzen. Die Haut von den Hühnerstücken abziehen, klein schneiden und in der Butter ein bisschen mitbraten. Dann einen gehäuften EL Mehl zur Butter geben und ein bisschen mit anschwitzen. Dann mit 1/4 l Hühner- oder Gemüsebrühe dazu (Instant ok, oder man kocht sie sich, wie geschrieben, aus den Hühnerknochen und ein paar Gemüseresten), mit dem Schneebesen umrühren und bei mittlerer Hitze eindicken lassen. Ggf. einen Schuss Milch oder Sahne dazu, muss aber nicht. Jetzt eine Hand voll in dicke Scheiben geschnittene Champignons und das Hühnerfleisch dazu und ein paar Minuten mitköcheln lassen. Würzen: Salz, Pfeffer, einen TL Senf und etwas (oder viel) Worchestersoße und eventuell einen Schuss Zitronensaft. Vom Herd nehmen und ein bisschen abkühlen lassen.

Schließlich das Ragout in feuerfeste Förmchen füllen, etwas geriebenen Käse darüber streuen und im Ofen bei 200 Grad Oberhitze gratinieren.

Dazu gibt es klassisch Toastecken, die ich auch gerne mag, aber ich habe keine Lust, für zwei Toastecken eine Packung Toast zu kaufen. Also geröstetes Weißbrot. Absolutes MUSS ist zum Servieren noch mehr extra Worchestersoße und eventuell ein Zitronenviertel.

So ist es ehr ein Snack. Man kann das Ragout auch fertig machen, im Kühlschrank eine Weile aufheben und abfüllen und gratinieren, wenn man es braucht. Und das ist besonders der Fall, wenn man schon ordentlich was getrunken hat und nachts nochmal Hunger bekommt. Herrlich.

Bekannt ist mir auch die Weiterverarbeitung als „Steak au four“ – dabei wird ein gebratenes Schweinerückensteak mit dem Ragout übergossen, dann kommt Käse drauf und alles wird im Ofen überbacken. Einst wohl das Zeichen relativen Luxus, für mich aber ein bissel viel, denn nach einer Weile wird’s dann doch ein bisschen eindimensional. Da bleib ich doch lieber beim Original.

 

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