Chinesischer Hot Pot in München

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Ich schreib ja hier eigentlich kaum Restaurantvorstellungen. Das liegt zum einen daran, dass es a) schon massig online-Restaurantkritiken für jede x-beliebige Pommesbude gibt und ich b) sowieso nicht viel essen gehe, sondern ehr selbst koche und einlade. Das hier ist mir aber ein Bedürfnis, da meiner Meinung nach wenig bekannt und für mich wirklich ein großes Vergnügen: Chinesischer Feuertopf – ein sehr geselliges Fondue mit Fleisch, Meeresfrüchten, Gemüse, Nudeln und einer, idealerweise sauscharf-würzigen Brühe. In München gibt es zwei Läden, die ich beide empfehlen kann und deshalb gibt’s hier ein bisschen mehr zum Thema.

Das Prinzip ist immer gleich: Auf dem Tisch stehen einer oder mehrere Töpfe mit kochender Hünherbrühe, die man, nach Wunsch von gar nicht bis sehr scharf bestellen kann. Ich bin für mindestens mittel- inzwischen auch für sehr scharf, denn es ist eine wunderbar runde Schärfe, eine Mischung aus Chili und Szechuanpfeffer, die ich auch schon beim Mapo Tofu lieben gelernt habe. Dazu gibt es, immer wieder vom Service nachgereicht, hauchdünn geschnittenes, leicht angefrohrenes, und sehr aromatisches Rind- und Lammfleisch. Den Rest holt man sich an einem Büffet: Gemüse – in dem Fall viele Blattgemüse, Süßkaroffeln, Mais, Algen, Brokkoli, Wasserkastanien, Pilze. Meeresfrüchte – Garnelen, Oktopuss, Sepia, Muscheln, Schnecken, Krebse, Krabben. Und weitere Sachen wie Nudeln, Reis, Tofu, Pansen, Hühner- und Schweinefüße, Fisch- und Fleischbällchen, Surimi.

Die Sachen werden in der Brühe gegart und durch eine Dipsoße gezogen, die man sich aus Sachen wie Soja-, Erdnuss-, Chili- oder Fischsoße, Koriander, Frühlingszwiebeln, Knoblauch und anderen Dingen zusammen mischen kann. Ein wahnsinnig gemütliches, kommunikatives, geselliges Essen, das ich besonders mag, wenn es draußen kalt ist. Ich glaube aber auch, es ist Geschmackssache: Es ist sicher nichts für Vegetarier, auch Leute, die keine Meeresfrüchte oder scharfes Essen mögen, ist es nur der halbe Spaß. Und sicher ist auch: Die Zutaten sind sehr ordentlich, vor allem das Fleisch richtig gut, aber das Meiste sonst ist gute TK Ware und sicher alles andere als Bio und Öko. Ich kann das in diesem Fall verstehen, denn: Beide Läden, in denen ich hier in München war, hatten so gut wie ausschließlich asiatische Gäste, große Runden, viele Familien und, wie ich las und hörte, auch mit vielen Leuten aus der Gastronomie, von denen viele sicher nicht unendlich verdienen und bei günstigen Preisen einfach entspannen, reinhauen und den Alltag vergessen wollen. Und in der Tat, gerade wenn man auch sonst gerne kocht und rumprobiert, ist es ein grandioses Essen. Wenn man aber überempfindlich und mega-korrekt ist, was Essen angeht, wird man nicht viel Spaß haben. Für mich ist es eine große Freude, die ich, besonders in der kalten Zeit alle zwei Monate mega-gerne haben will.

Der nun liebste Laden für mich: Die Fire Dragon Lounge zwischen Theresienwiese und Hauptbahnhof. Praktisch ausschließlich asiatisches Klientel, sehr gute Auswahl, geräumig und gemütlich und für mich vor allem deshalb der Sieger, weil die scharfe Hot Pot Brühe deutlich die aromatischste ist – mit reichlich Chili und Szechuan Pfeffer und einer Menge weiterer Gewürze. Und auch sonst gibt es ein paar mehr chinesische Originalzutaten von stellenweise undefinierbarer Zusammensetung und echt exotischem Geschmack, die man zumindest mal probieren kann.

Auch gut: Yen’c Hot Pot am Heimeranplatz. Hot Pot nicht so aromatisch und auch ein kleines bisschen weniger Zutatenauswahl, aber dafür, besonders wenn man in einer Gruppe hingeht, bei der ein paar Leute einfach nur in Ruhe was essen und nicht kochen wollen: Ordentiches warmes Büffet mit fertig gekochten, chinesischen Gerichten. Das ist nicht spektakulär und für Leute, die vor allem den Hot Pot wollen, auch nicht unbedingt nötig, aber doch eine nette Ergänzung.

Ich finde, beide Läden lohnen sich, wenn man ein langes, gemütliches Essen genießen will, das einen wirklich ein bisschen in eine andere kulinarische Welt holt. Deshalb: Hingehen, so lange es draußen noch kalt ist.

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