Drei Crostini „Rialto“

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Ich hab es ja schon oft geschrieben: Wer in einer Waldhütte, Ferienwohnung oder womöglich sogar auf offenem Feuer kochen kann, der kann wirklich kochen. Meist gibt es außer Salz und Zucker kaum Gewürze, keine Geräte, meist stumpfe Messer, wenig Platz, schlechte Pfannen. Mit allem kann man sich arrangieren, wenn man nur eines hat: tolle Zutaten. Ich erinnere mich immer wieder an einen Waldspaziergang in Finnland, bei der wir eine Hand voll Pfifferlinge fanden. Die unter zwei Eier gequirlt und mit ein bisschen Butter gebraten (ich meine, wir hatten nicht mal Salz) waren einfach der Himmel. Gestern war ich hier auf dem Markt, heute gibt es, aus meiner winzigen Kochnische, vor deren Fenster allerdings die Lagune schwappt und die Möven kreischen, drei Crostini mit Zutaten ausschließlich vom gestrigen Marktbesuch. Und ich meine: Die waren alle super und lassen sich auch daheim hinkriegen….

Crostino mit Radiccio und Gorgonzola

Das einfachste. Hier gibt es überall einen besonders dickfleischigen Radiccio, den die Leute auch in rauen Mengen kaufen. Ich habe den noch nie probiert, wollte aber schon lange. Meine Erwartung war, dass das Zeug sehr, sehr bitter sein würde. War es aber nicht. Nur leicht bitter, zugleich ein bisschen süßlich und sehr fleischig. Bestimmt etwas, mit dem man wunderbar ein Risotto kochen kann. Wer das Zeug nicht kriegt, kann auch normalen Radiccio nehmen. Den am besten roh probieren, wenn er einem zu bitter ist, in Streifen schneiden und 10 min. in lauwarmem Wasser einlegen. Jedenfalls: Radiccio in Streifen / Stücke schneiden, in etwas Olivenöl mit einer angedrückten Knoblauchzehe langsam braten, ein bisschen Zucker, Salz und Pfeffer und ein Schuss weißer Balsamico. Auf geröstetes Brot geben und obendrauf ein bisschen Gorgonzola.

Crostino mit Artischocken und Kirschtomaten „agrodolce“

Hier gibt es überall die fertig geputzten Artischockenböden. Ein Segen. Wer die nicht kriegt, muss selber ran. Artischocken aus der Dose sind leider keine Alternative. Die Artischockenböden (ich hatte zehn) in Streifen schneiden, in Olivenöl mit ein bisschen Knoblauch, Salz und Pfeffer langsam braten. Wenn sie weich sind, eine Hand voll halbierter Kirschtomaten dazu. Und einen guten TL Zucker und einen kräftigen Schuss hellen Balsamico dazu – das macht „agrodolce“ = süßsauer. Wer hat, gibt noch ein bisschen Petersilie oder Basilikum dazu. Wieder drauf aufs warme Brot und ein paar Parmesanhobel obendrauf.

Crostino mit kleinem Oktopus und Tomatensoße

Ich hatte drei kleine Oktopusse (korrektes Plural: Oktopoden), es geht natürlich auch mit einem großen. Wenn es irgendwie geht, keine TK Ware. Die jedenfalls putzen (Augen, Innereien und „Schnabel“ in der Mitte der Tentakel raus) und in gesalzenem Wasser so lange sanft kochen, bis sie weich sind (man muss mit einem spitzen Messer gut einstechen können). Dann Wasser abgießen, die Tierchen in Stücke schneiden und mit etwas Knoblauch und Olivenöl anbraten, einen Schuss Tomatensoße / Passata dazu, mit Salz und Pfeffer würzen und noch 10 min. köcheln lassen. Auch wieder auf ein Stück geröstetes Brot, und vielleicht ein paar kleine Oliven drauf.

Die drei Crostini Beläge gehen lauwarm, aber auch einfach bei Zimmertemperatur. Nur eiskalt aus den Kühlschrank ist sowas nie toll. Einfach ein bisschen früher rausnehmen.

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