Mein Senf zum Thema Food Fotos

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Ich meine, so wie nie zuvor, ist unsere Wahrnehmung von Essen von einer optischen Vorstellung geprägt. Klar, wie ein Gericht aussieht, ist wichtig. Aber mittlerweile haben die Fotos und Videos von Essen, die wir täglich sehen, soviel mit echtem Essen zu tun, wie Fotos von Supermodels mit echten Frauen. Ein unguter Trend, meine ich.

Nicht falsch verstehen: Keine noch so schlechte Kochsendung, die ich nicht schon gesehen hätte. Kein Kochbuch, kein Blog, in das ich nicht mal gerne reinschaue. Und von den Guten hab ich wirklich eine Menge Wissen und Inspiration mitgenommen. Dennoch kommt es mir so vor, dass viele Leute Küche vor allem visuell konsumieren. Eben über facebook, instagram, Kochblogs, Magazine, TV Shows. Und dass sich der Geschmack und der Sinn eines Gerichts heute ein Stück weit der Optik unterordnen muss. Bis hoch in die Sterneküche.

Ich empfinde diesen Optikwahn als eine Entfremdung von der Art von Essen, wie es in den paar Haushalten, die tatsächlich kochen, aussieht. Und wenn man einen Blog wie diesen hier betreibt, denkt man zwangsläufig über Fotos nach. Für die ersten paar Jahre, in denen ich Essen auf facebook gepostet habe, waren das nur Handyfotos. Heute habe ich eine ganz gute Kamera und, da ich fast immer abends koche, ein Brett und eine Stelle in meiner Küche, an der ich halbwegs brauchbares, aber keineswegs tolles Licht hinkriege.

Ich hatte ernsthaft überlegt, in meiner Küche eine Ecke mit einer Tageslichtlampe nur für die Food Fotos einzurichten. Und mich schließlich dagegen entschieden. Ich finde solche Blogs wie Krautkopf , die mit umwerfenden Fotos punkten, interessant. Ich glaube aber auch, dass diese die Leute koch-mäßig nicht unbedingt weiterbringen. Oder sie sogar einschüchtern – nach dem Motto: Das krieg ich nie so hin. Ich bleibe also bei meinem Foto Equipment. Ein bisschen Photoshop im Sinne von Kontrast, Licht, Farbe und vielleicht dem einen oder anderen Fettfleck, den man mal verschwinden lässt, darf schon sein. Aber das war’s.

Das Thema ist aber grundsätzlicher. Es fängt nicht beim Fotografieren an. Auch nicht beim Anrichten, sondern schon beim Konzipieren eines Gerichts. Auch hier meine ich: Natürlich sollen die Sachen hübsch aussehen, aber nie sollte die Optik vor dem Geschmack stehen. Deshalb hab ich mal über ein paar Punkte nachgedacht, die ich grundsätzlich beachten will (mich aber auch nie scheuen werde, mich über sie hinweg zu setzen, wenn mir danach ist).

  • Alles auf dem Teller soll essbar sein und zum Gericht passen. Keine Rosmarinsträusschen (wer  beisst da schon rein?), keine Zitronenscheiben (dito), falls nicht Teil des Gerichts. Keine Petersilien- oder Schnittlauchbrösel, keine Kräuterpropeller mehr, es sei denn, sie haben eine Funktion. K E I N E Kringel von Balsamicoreduktion (für mich in Restaurants ein untrügliches Zeichen von Möchtegern).
  • Wenn man die einzelnen Komponenten eines Gerichts noch getrennt probieren soll – nicht alles auf Teufel komm raus übereinander stapeln und vermatschen, auch
    wenn es hübsch aussieht.
  • Keine Soßen oder irgendwelchen Schäume, nur weil sie ein Gericht optisch zusammen halten.
  • Wenn Soße, dann nicht auf den Teller getröpfelt, sondern als Teil des Gerichts. Und das heißt für mich: mindestens 5 Esslöffel.
  • Überhaupt: Alles sollte in einer Menge auf dem Teller sein, in der man nicht nur probieren, sondern darin auch ein bisschen schwelgen kann. Keine Soßenkleckse (hatten wir schon), nicht drei Erbsen, eine Brokkolirose und eine Karottenscheibe.
  • Das heißt auch: Keine Miniportionen, nur weil es jeder so macht und weil es der Sterneküche entspricht. Gerichte in den Proportionen anrichten, in denen man sie auch wirklich essen will.
  • Lieber drei großzügige Komponenten, die optimal zusammen passen, als fünf, die sich im Weg stehen. Wer klein anrichtet, denkt klein.
  • Lebensmittel nur verfremden, umfärben, de-naturieren, wenn es einen Sinn hat.
  • Schmeisst die verdammten Servierringe weg. Freiheit den Lebensmitteln!

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