Eine Garnele. Und Aioli. Sonst (fast) nix.

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Heute hab ich was gegrillt. Gemüse, einen Wolfsbarsch. Und: eine Garnele. Und die beschäftigt mich jetzt….

Seit ca. fünf Jahren schau ich beim Frischeparadies in München vorbei, wahrscheinlich mein liebster Lebensmittelladen, wenn es um Fisch und Fleisch geht. Dort seh ich an der Mega-Fischtheke immer die Riesengarnelen in der Größe einer kleine Forelle. Salzwasser. Wildfang. Das Kilo für gut 40 €, also ca. 13 € das Stück. Arschteuer, dachte ich immer. Nun hab ich seit einer Woche eine Grill und die Zeit, bis zu der die Nachbarn selbst im toleranten Westend die Polizei rufen ob des Gequalmes (denn, sorry, alles AUßER Holzkohle ist leider kein Grillen), ist kostbar und so will ich ein paar Sachen ausprobieren. Heute bin ich alleine, das heißt, ich brauche EINE. Das geht finanziell gerade noch.

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Zubereitung: mit einem ordentlich scharfen Messer den Panzer am Rücken einschneiden und auch noch ca. ½ cm ins Fleisch. Den Darm entfernen. Mit Olivenöl beträufeln und nur ein bisschen salzen. Dann bei mittlerer Hitze / Höhe gute 10 min. auf den Grill, zwischendurch wenden. Im Mörser ein paar Knoblauchzehen, Rosmarinzweige, etwas Salz, Olivenöl und Zitronensaft zerstoßen. Kurz vor Ende auf dem Grill die Garnele mit dem Öl einpinseln und unter Wenden auf niedriger Höhe ein bisschen anknuspern. Dazu gibt’s Aioli: Ein sehr frisches, ganzes Ei in einem hohen, schmalen Mixbecher mit ca. 250 ml neutralem Öl, 1 TL scharfen Senf und etwas Salz mit dem Mixstab aufmixen (einfach 1x vom Boden hochziehen). Dann eine Zehe frischen Knoblauch reinreiben und abschmecken.

E S  W A R  D E R  H I M M E L. Die Garnele war perfekt glasig, aber ordentlich angeröstet, die Schale bringt mega Aroma. Das Fleisch hatte eher Biss, nicht ganz weich, aber da steh ich eh nicht drauf. Knackig und saftig. Und von unglaublichem Aroma, kein Vergleich zu den kleinen Teilen. Die Aioli war der perfekte Begleiter. Jetzt, eine Stunde nach dem Essen, schmecke ich alles immer noch, so intensiv war das. Mutige knacken noch den Kopf auf und tunken ein bisschen Weißbrot ins Hirn. Gut. Und Schlaue rösten die Schalen und die Reste vom Kopf morgen mit ein bisschen Tomatenmark, Champignons, Staudensellerie und Zwiebeln an, dann mit Weißwein ablöschen, mit Gemüsebrühe auffüllen, 30 min. köcheln lassen, passieren, mit Sahne, Butter und Currypulver abschmecken und fertig ist die Krustentierschaumsuppe.

Was mich nachdenklich macht: Ich glaube wirklich, zweimal im Jahr eine Garnele von der Qualität ist besser und preiswerter, als 10x eine mäßige aus dubioser Zucht. Sicher, wahrscheinlich schreit gleich irgendwo einer auf wegen Wildfang. Aber mal ehrlich: EINE oder ZWEI pro Jahr? Ist ja auch kein Massenprodukt. Jedenfalls: Ich bin ja inkonsequent wie nur was. Und vor allem will ich, besonders in so einer intimen Sache wie Ernährung, niemandem gegenüber was predigen. Aber wenn wir immer mal so denken würden, wäre es vermutlich unterm Strich besser. So ist es sicher mit vielen Sachen: Ein 30 Gramm Trüffel für 40 € geteilt durch vier Esser, mit einem Omelette oder einer Pasta mit ein bisschen Butter – ein preiswertes Gericht. Auch 2 Gramm Safran in einem Risotto, denn mehr braucht man nicht. Und vom dem Tollen nur ein bisschen. Vielleicht mit einem Salat oder ein bisschen gutem Brot mit Butter und Salz. Verdammt, alleine die Garneele und ein Glas Wein hätten gereicht zum Glücklichsein. Werd ich irgendwann doch nochmal zum Gourmet? Oder zumindest zum aufgeklärten Genießer? Es war nie mein Ziel, aber wenn es sich so ergibt, bin ich froh.

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P.S.: Ach so: Wonach ich schon fast süchtig bin, ist gegrilltes, rauchiges Gemüse (Holzkohle!). Fast so gut wie die Garneele, passt GIGANTISCH mit der Aioli. Ein bisschen geröstetes Brot dazu und eine Schluck kühlen (!) leichten Rotwein und die Welt ist gut. Wenn sich noch ein Wolfsbarsch dazu verirrt, bin ich nicht böse.

P.P.S.: Noch eine Sache zu Marinaden: Dieses Kräuteröl, aus dem Mörser, kurz vor Schluss auf alles drauf gepinselt, ob Fisch, Gemüse oder Fleisch, scheint mir eine intelligente Grillwürzung. Alles, was man vorher an Marinaden drauf gibt, verbrennt unweigerlich. Lieber clean mit Salz und Öl grillen, und dann kurz vor Ende ein bisschen einpinseln.

P.P.P.S: Sich alleine was Gutes kochen? Für mich lange langweilig. Heute nicht mehr. Warum, verdammt nochmal, soll man sich nicht selbst was wert sein? Und ich habe ohnehin, obwohl ich ein geselliger, kommunikativer Mensch bin, regelmäßig Freude am Alleinesein und genüge mir selbst, so lange das Allein-Sein selbst gewählt ist, in höchstem Maße. Vollkommenen Egoisums in meinem Tun ausdrücklich eingeschlossen. Wenn dann wieder jemand da ist, ist es um so toller.

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