What Remains of Edith Finch

Wenn ich hier Videospiele vorstelle, dann, weil sie etwas wirklich Besonderes sind, aus der Norm fallen, mich bewegen und auch für andere (erwachsene) Leute ein Anreiz sein könnten, sich näher mit einem, möglicherweise fremden und Vorurteils-beladenen Medium zu beschäftigen. Das alles passt auf bitter-süße Storytelling Spiel „What Remains of Edith Finch“ für Windows PC und PS4.

Der Spielgeschmack der meisten Leute teilt sich in zwei Gruppen: Die eine will sofort Action, bloß kein große Bla Bla. Und bei Spielen auch gefordert werden, besonders, was Geschick und Reflexe angeht. Deshalb spielt sie am liebsten Sportspiele, Autorennen, Shooter u.ä..

Die zweite Gruppe, und zu der gehöre ganz sicher ich, will mit einem Spiel in eine fremde Welt eintauchen, eine Geschichte erleben und sich dabei möglichst entspannen. Deshalb passen vor allem Rollenspiele und Adventures. In den letzten Jahren hat sich, vor allem von kleineren, unabhängigen Entwicklern, eine Art von Spielen entwickelt, die manchmal leicht spöttisch „Walking Simulatoren“ genannt werden, weil sie im klassischen Sinne kaum noch eine spielerische Herausforderung bieten, sondern sich ganz auf Atmosphäre, Welt und Geschichte konzentrieren. Ich liebe sowas, und auch das vorliegene Spiel passt in diese Gruppe. Man braucht kein Geschick, keine Reflexe und auch nicht viel nachdenken – sondern kann sich in dem nur knapp drei Stunden langen Spiel fallen lassen, wie in einem guten Film.

Der Spieler schlüpft in die Rolle einer jungen Frau, die zum Haus ihrer Kindheit zurückkehrt, um dem, wie sich herausstellt, ziemlich tragischen, Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen. Jedes Zimmer des Hauses erzählt die Geschichte eines andere, verstorbenen Familienmitgliedes. Mit seiner extrem detailreichen Gestaltung und einem eigenen kleinen Spiel mit einem ganz eigenen Mechanismus. So schlüpft man in einen Säugling in der Badewanne, einen Hai am Meeresgrund, einen Arbeiter einer Fisch-Dosenfabrik und dessen Tagträume und vieles mehr. Am Ende jeder Minigeschichte steht der unweigerliche Tod der Figur inklusive der Erklärung, wie es dazu kam. Die Erzählung ist so erwachsen, wie teils schwarz-humorig, teils traurig. Und übrigens frei von jeder sichtbaren Gewalt.

Man fühlt sich schnell gefangen in dieser melancholischen, wunderschön gestalteten Welt, den Erinnerungen der Protagonistin, der grandiosen Grafik und wunderbaren Musik. Und natürlich will man am Ende auch hinter das Geheimnis er eigenen Figur kommen.

„What Remains of Edith Finch“ ist ein Juwel, ein erneuter Beweis, dass Videospiele Kunst sein, tief bewegen und nachdenklich machen können. Jeder, der einen halbwegs brauchbaren PC oder eine PS4 hat und auch nur ein bisschen Neugier auf Videospiele mitbringt, sollte das erleben!

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