Salzkammergut #1 – Hüttenleben

Im Salzkammergut, da kann man gut – in Frieden sein.

Eigentlich sollte es Sizilien werden. Doch irgendwie hatte keiner von uns die Kraft und die Nerven, sich rechtzeitig mit der Sache beschäftigen. Und dann, drei Wochen vorher, war es alles zu knapp und noch nerviger als vorher. Ich habe im ersten Vierteljahr 2017 wirklich intensiv gearbeitet.  Viel Neues, ein riesen-Label-Jubiläum und eine Menge wichtiger Platten. Soweit hat alles super geklappt, aber ich bin platt. So platt, dass Strafzettel erst nach der zweiten Mahnung bezahlt werden, ich erstmals in meinem Leben zwei Gigs kurzfristig absagen musste und wirklich einen Tunnelblick entwickelt habe, auf Arbeit und Grundbedürfnisse. Mittlerweile kann ich mich ganz gut schützen, wenn der Stress zu viel wird. Ich konzentriere mich dann wirklich aufs Wesentliche, auch privat, und mit wenig Rücksicht auf Verluste. Und so dachte ich dann eines Abends – lass eine kleine Waldhütte irgendwo in den Bergen suchen und einfach ausruhen, ein bisschen rausgehen, ein bisschen was kochen, was hübsches trinken, schreiben, fotografieren….

Wie ich dann bald lernte: Hütten gibt’s in Bayern und Österreich reichlich, nur kleine, für zwei Personen, die trotzdem Charme haben und eine hübsche Ausstattung, die sind gar nicht so häufig. Die hier, im Salzkammergut in der direkten Nähe des Traunsees gelegen, hatte ALLES: fast 100 Jahre alt, kuscheliges Wohnzimmer mit Kachelofen, der auch die Haupt-Heizung ist, eine süße kleine Küche, Schlafzimmer mit großem Bett unter dem Dach, Terrasse, Garten mit Steingill. Und vor allen, so einfach zu erreichen, wie abgeschieden. Man muss auch mal Glück haben im Leben….

Auch wenn ich durch die finnische Verwandtschaft gar nicht mal so Hütten-unerfahren bin, war ich doch hibbelig, auch am ersten Abend. Erstmal: überhaupt runterkommen vom ganzen Kommunikations- und Anforderungs-Overkill. Und dann muss man zu zweit schon auch Nerven für sowas haben, ohne sich gleich auf selbige zu gehen. In der ersten Nacht: unruhig geschlafen, irgendwann morgens die Treppe runtergetapst und den kalten Ofen befeuert. Es knackt und riecht gut. Durchdringende, unglaublich kuschelige Wärme. Erstmal Kaffee kochen. Und vor die Tür. Frühstück. Und dann an der Kaminbank zusammenrollen. Rausgehen, den Wald riechen, am Bergsee Sonne einfangen, beim nächsten starken Anstieg des Weges über die extra Kilo fluchen und innerlich triumphieren, wenn man doch oben angekommen ist.

Die Gegend hier ist hübsch. Nicht absolut spektakulär, aber gerade deshalb so entspannend. Vor allem die Ur-Wälder, von wahnsinnig romantisch bis mystisch-düster – je nach Stimmung und Wetterlage. Es gibt wahnsinnig viel zu Fuß zu entdecken: bewirtschaftete Almen, nette Dörfchen mit langen Uferwegen, versteckte kleinere Seen. Und natürlich auch ein paar nicht ganz niedrige Berggipfel. Mehr als genug, damit einem locker eine Woche lang nie die Ideen ausgehen.

Am nächsten Morgen: Scheißwetter. Super. Bleiben wir drin und vertrödeln den Tag. Ein bisschen was zu tun gibt’s immer und das ist Teil des Spaßes an der Sache: Holz holen, Feuer machen, die Sauna anheizen, Essen machen, Tee kochen, Kaffee kochen, den Grill anheizen. Aber alles in Ruhe, ohne Hektik und ganz bei der Sache, körperlich wie in Gedanken einfach nur DA sein. Uni-Tasking. Handyempfang gibt’s nicht, Internet sowieso nicht. Dafür seit ganz langer Zeit mal wieder ein Buch. Und ein bisschen Musik. Aus dem Radio.

Dieses Ding, in Ruhe EINE Sache zu machen und sonst nichts zur gleichen Zeit, tut wirklich gut. Ich bin mir sicher, mein Blutdruck ist niedriger. Ich schlafe besser. Heute bin ich freiwillig um neun aufgestanden, ganz ohne Grund. Schafft man es, ein bisschen dieser Besinnung und Reduktion in den Alltag zu holen? Ich wünsch es mir jedenfalls.

Und eine Sache muss ich hier noch einmal festhalten – ist ja schließlich ein Kochblog: Ich habe in Österreich noch NIE schlecht gegessen. Selbst an sehr touristischen Orten oder wiederrum an ganz schlichten. Und ich finde, die Küche hier ist vielfältiger und bunter, als die bayerische. Ist ja auch kein Wunder, denn Bayern ist ja auch nur ein Bundesland, führt sich aber oft anders auf. 😉 Wenn ich hier bin, will ich vor allem einfache, bodenständige, gute Sachen. Mein Allerliebstes, wenn es ums Auswärts-Essen geht. Sachen, die mit viel Arbeit verbunden sind und die ich zu Hause, da die Liebste Vegetarierin ist, nicht mache. Was soll ich schon allein mit zwei Kilo Schweinsbraten? Was ich hier hatte: Ein himmlisches Gulasch auf der Alm, vom Rind, wie es vor dem Fenster auf der Wiese grast. Kräftig, stark Paprika-gebunden, sämig. Eine warm-geräucherte Forelle mit einem Schnittlauchbrot – der absolute Himmel. Gefüllte Knödel mit Sauerkraut – gehen immer. Ein butteriges Schnitzel. Was will man mehr?  Natürlich: Himmlischen Käse. Und, klar: tolles Bier. Aber immer noch unterbewertet: gigantischen Wein. Und Backwaren und Konditorei-Zeugs, das selbst einem Süßkram-Muffel wie mir die Tränen in die Augen treibt vor so viel Hingabe und Mühe und Liebe zur Sache.

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