Zweimal Wien kulinarisch

Über den Naschmarkt als Ganzes, den Bauch der Stadt, ist schon so viel geschrieben, dass ich das nicht auch noch machen brauche. Hingehen sollte man aber natrürlich unbedingt. Von mir gibt’s zwei kulinarische Orte, von denen ich überzeugt bin, dass sie von ihrer Qualität, Autentizität und Gemütlichkeit zu den allerbesten der Stadt zählen und gleichzeitig genau nach meinem Geschmack zwischen Klasse und Bodenständigkeit liegen. Das „Urbanek“ am Naschmarkt und das „Magazin drei Hacken“ im ersten Bezirk unweit des Stephansdoms.

Urbanek am Naschmarkt

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Schon an der Menschentraube vor dem winzigen Geschäft auf dem Naschmarkt merkt man, dass dieser Laden hier etwas Besonderes ist. Zwei Generationen, Vater und Söhne bieten hier auf ein paar Quadartmetern Wurst, Schinken, Käse und Wein von absolut erlesener Qualität an. Besondere Spezialität ist Allerlei vom Mangalitza Schwein, einer alten Rasse. Man kann Sachen mitnehmen, aber sich auch gleich etwas zum vor Ort essen zusammenstellen lassen. Dabei reicht es zu sagen: Macht mir doch irgendwas Nettes und sagt mit, welchen Wein ich dazu trinken soll. Mit ausgesuchter Wärme, Herzlichkeit und Begeisterung wird das zusammengestellt. Drauf gibt’s Pfeffer aus der Mühle und frisch geriebenen Meerettich.

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Und obwohl der Landen förmlich auseinanderplatzt, geht alles mit Andacht und einem Lächeln. Und keiner käme auf die Idee, irgendwie zu drängeln.

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Einen netten Plausch gibt’s auf jeden Fall dazu. Vor dem Hüttchen drängt man sich, wenn man sich dazu gesellt, wird immer irgendwo Platz gemacht und zusammengerückt, weit und breit nur so kluge, wie lustige und bodenständige Leute. Hier trinkt und isst jeder was Nettes, alle haben gute Laune, sind seelig. Einfach wunderbar.

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Urbanek, Naschmarkt 11, 1040 Wien, keine Homepage

Magazin 3 Hacken

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Ich war schon einmal hier, auf Empfehlung der großartigen Cellistin und Freundin Asja Valcic – der an dieser Stelle, so sie denn mitliest, erstens nochmal von Herzens gedankt und zweitens beim nächsten Wien-Aufenthalt ein Besuch angedroht sei.

Ich muss ja sagen: Ich habe in Österreich noch nie schlecht gegessen. Es mag eine Mischung aus Instinkt und Glück gewesen sein. Aber sicher auch daran liegen, dass ich die traditionelle österreichische Küche wahnsinnig gern hab. In ihrer unglaublichen Vielfalt, in der Klarheit der Gerichte, im Aufwand, der in Vielem Steckt, in ihrer langen, langen Tradition irgendwo zwischen Alpenküche und Balkan. Das findet sich alles im 3 Hacken wieder, einer Mischung aus Restaurant und Weinhandlung.

Kurz zum Wein: Die Auswahl an ausschließlich österreichischen Weinen ist grandios. Die Kellner kennen sich super aus. Und man entdeckt hier immer was. So wie ich diesmal den Gelben Muskateller, irgendwo zwischen der Grasigkeit und Frische eine Sauvignon Blanc und der Tiefe eines Gewürztraminers. Toll.

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Die Speisekarte ist zum Niederknien: Ungefähr zwanzig Standarts und nochmal ebenso viele Tagesgerichte. Dabei Klassiker wie Tafelspitz oder Wiener Schnitzel, die, im Vorbeigehen, grandios aussahen. Aber in den richtig guten Läden will ich was Neues. Hier: Innereien. Ich hatte das letzte Mal ein in Semmelbröseln gebackenes Kalbshirn. Diesmal als Vorspeise einen dicken Rinderknochen mit geröstetem Knochenmark und im Hauptgang eine Variation von gekochter Kalbszunge mit einem grandiosen Meerrettich-Kartoffelpüree. Alles zum ersten Mal. Und sicher nicht zum letzten, weil durch die Bank hevorragend. Vor allem die Zunge, für mich durchaus ein Kindheitsgeschmack, werde ich bald einmal wieder für mutige Gäste machen.

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Ist aber kein reiner Fleisch-Laden. Es gibt auch Fisch und vegetarische Gerichte. Und, Österreich-typisch, klasse Desserts.

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Und was mir neben der Küche besonders gefällt: Der Laden ist hübsch, aber keinesfalls über-schick. Die Bedienung professionell, aber wirklich herzlich. Man kann auch locker nur ein Bier trinken und eine Kleinigkeit essen. Oder einfach an der Bar sitzen. Das brauche ich, keinen Dünkel, kein Schickimicki. Gute Küche, Gemütlichkeit und das Gefühl, dass man sich gerne um einen kümmert. Und am Ende ist es nicht mal teuer.

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Zuletzt: Das Restaurant ist perfekt gelegen, nämlich direkt gegeüber dem Porgy & Bess, einem der besten Jazzclubs Europas. Ein sehr schöner Raum, u.a. mit einem Fazioli-Konzertflügel, dem Porsche seiner Art. Und einem handverlesenen, absoluten Weltklasse Programm. Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Magazin 3 Hacken, Riemergasse 14, 1010 Wien, www.vinum-wien.at
Porgy & Bess, Riemergasse 11, 1010 Wien, www.porgy.at

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