Ei, Spinat, Kartoffel

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Ich hab ja schon oft von meiner kulinarischen Sozialisation meiner frühen Kindheit in der DDR erzählt: Wunderbare Hausmannskost bei Mama, Oma und Tante. Grässliches Zeug sonst überall. Und mit „sonst überall“ meine ich vor allem: Schulspeisung.

Schon das Wort. Speisung. Hier ging es nicht um Essen. Hier ging es darum, unsere kleinen Pionierkörper möglichst billig und effizient mit Nährschlamm abzufüllen. Eine Essensmarke kostete nach meiner Erinnerung 20 Pfennig Ost. Oft kam ich nach der Schule nach Hause und Mama fragte mich „Wonach RIECHST du denn heute wieder?“ Stundenlang gekochtes Schichtkraut, grauer, matschiger Blumen- und Rosenkohl, Erbseneintöpfe, wahrscheinlich aus Dosen von vor dem Krieg. Es gab genug Erklärungen. Und, die Zerreißprobe: Spinat, Ei, Kartoffeln.

Spinat gab es in der DDR nur aus dem Glas. Eine braune, bittere Pampe. Dazu schwefelige, blau gekochte Eier, die stundenlang in Warmhaltebecken vor sich hinmieften. Und überlagerte Salzkartoffeln, mit dubiosen grauen Bröckchen drin, von denen ich bis heute nicht weiss, was sie waren, von denen aber, da bin ich sicher, alle meine Altersgenossen aus dem Osten berichten können. (Aufruf: Wenn jemand DOCH weiss, was das war, ich würde es heute gerne wissen).

Wir aßen in einem schmucklosen Mehrzwecksaal an großen Tischen, die Lehrer, am Kopfende, bekamen gemeinerweise ein anderes, sicher besseres Essen. Trotzdem musste jeder Knirps nach Beendigung der Mahlzeit am Lehrer vorbei und seinen Teller vorzeigen. Der prüfte, ob genug gegessen war, oder ob man nochmal auf seinen Platz und weiter essen musste. Einmal vergrub ein Kind-Kollege von mir sein außen verbranntes, innen rohes Fischstäbchen unter einer Ladung Schokoladenpudding. Mit dem Ergebnis, dass er gezwungen wurde, die Neukreation komplett aufzuessen. Ich sehe die Szene heute noch vor mir.

Das Schlimmste: ICH mochte schon damals die Mischung Ei + Spinat + Kartoffeln so sehr, dass sie mir selbst in der DDR Variante wunderbar schmeckte und ich mich jedes Mal freute, wenn es die gab. Und so kam ich heute auf die Idee, das wieder mal zu machen, aber vielleicht so, dass auch Andere noch Spaß an dem Rezept haben: Rahmspinat, Kartoffelpüree, pochiertes Ei, Parmesan.

Rezept

Kartoffelpüree

Mehligkochende Kartoffeln mit Schale ganz weich kochen. Abgießen. Pellen. In einem Topf etwas Milch und Butter aufkochen. Butter: so viel, wie die Figur zulässt – von gar keiner, bis 50 % Kartoffeln / 50 % Butter. Kartoffeln dazu und fein zerstampfen. Mit Salz abschmecken. Sonst nix. Mir ist klar, dass das Püree feiner wird, wenn man es nochmal durch ein Sieb streicht, aber ich weigere mich. Mir ist das zu dekadent.

Rahmspinat

Eine fein geschnittene Zwiebel und Knoblauchzehe in einem kleinen Topf anschwitzen. TK Blattspinat dazu und gerade weich werden lassen. (Ich mag TK Spinat lieber, als frischen. Er ist irgendwie weniger kratzig. Keinen fertigen Rahmspinat – TK Blattspinat, ohne irgendwelche Zusätze). Einen Becher (ja, einen BECHER) Sahne dazu, ein bisschen Muskat und nicht zu wenig Salz und einmal fein aufmixen.

Pochierte Eier

Ein Töpfchen heißes Wasser mit einem ordentlichen Schuss Essig aufkochen lassen und auf mittelhohe Hitze runterstellen. Einmal kräftig umrühren so das ein Strudel entsteht. In den Strudel ein Ei gleiten lassen und mit einem Holzlöffel ein bisschen nachhelfen, dass sich das Eiweiß um das Eigelb wickelt. Üben. Nach ca. 5 min. mit der Schaumkelle aus dem Wasser nehmen.

Alles zusammen anrichten, das Ei anschneiden und groben Parmesan darüber reiben und vielleicht eine  Schuss schönes Olivenöl oder braune Butter.

Hat hier irgendwer Trüffel gesagt?

3 Kommentare

  1. wolfsloeffelliste · Februar 19, 2017

    Das mit den grauen Klümpchen kommt sicher vom instand Kartoffelbreipulver, mit Wasser angerührt und dann eben verklümpelt … würg …

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  2. wolfsloeffelliste · Februar 19, 2017

    Tschuldigung , war garkein Brei! Das Graue kommt vom Kartoffeleiweiß und setzt sich am Topfrand ab wenn alles etwas länger rumsteht … würg …

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  3. michagottfried · Februar 19, 2017

    bäh

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