Mein Jahresrückblick. 1 von 3: Fühlen.

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Mein kleiner, persönlicher Jahresrückblick, Teil 1.

Fühlen

Oh Mann. Ich bin ja kein besonderes politischer Mensch. Aber mich bewegen Menschen, Schicksale, der Gang der Dinge. Und über 2016 schreiben, ohne über Politik zu schreiben, geht einfach nicht. Seit der deutschen Wiedervereinigung scheint mir, dass der Lauf der Weltpolitik nicht mehr so stark unser Denken und Fühlen beeinflusst hat, wie in diesem Jahr. Das dunkle Ungewisse in Syrien, dieser Abgrund der menschlichen Seele ist weit weg, aber es wirkt. Griechenland? Eurokrise? Jaja, kennen wir schon. Aber dann, für mich am Eindringlichsten: Paris, München, Trump.

München begann schon in der Silvesternacht 2015. Terrorwarnung am Hauptbahnhof und in der Innenstadt. Bei uns: Nur eine kleine Feier mit ein paar Freunden. „Ach komm, so ein Quatsch.“ Aber verstohlen auf’s Handy geschaut haben wir alle mal. Und ein paar Freunde von außerhalb haben auch angeklopft, ob denn alles ok sei. Ja, ja, klar, kein Ding. Aber dann, im Sylvesternebel – was, wenn da jetzt Jemand auftaucht, wohin laufen? Was tun? Egal. Prost. Nochmal gut gegangen. Was dann, ein paar Monate später, mit dem Amoklauf im OEZ passierte, war wie eine selbsterfüllende Prophezeihung. Am Ende spielte es vom Gefühl her auch keine Rolle mehr, ob einer, fünf, zehn oder fünfzig Täter. Der Terror war da. Alle hatten jahrelang drauf gewartet. Und nun passiert es also. Direkt vor unserer Haustür. Polizeihubschrauber über unserem Haus, menschenleere Straßen, der Grusel, dass man eigentlich auch noch in die Stadt oder das OEZ wollte, nur zu müde. Reiner Zufall, nicht dagewesen zu sein. Die Nachrichten, facebook, das Internet: Ein Wahnsinn.

Vorher Paris. Ich war zu der Zeit noch nie in meinem Leben in Paris (mittlerweile schon). Aber sehr, sehr oft in Frankreich. Und Paris kam mir immer bekannt, vertraut vor. Diese große Kultur, die unglaublichen Musiker, die Filme, die Küche…. Und ich kenne viele Leute dort. Das Ausmaß der Tat war erschreckend. Es gab direkt eine Hand voll Menschen, um deren Leben ich fürchtete. Kulturbegeisterte, Musiker, Leute, die locker an dem Abend auf einem Konzert hätten gewesen sein können. Erwischt hat es in dieser Nacht keinen von denen. Das eindringlichste Bild: Ein Freund und Kollege kommt nachts in seiner Wohnung an und spielt und singt, mit dem Handy aufgenommen, „Blackbird“. Müde, erschöpft. Es ist die Musik, die bleibt, die Kraft gibt. Ein kleiner Lichtblick in einer schrecklichen Serie von Ereignissen.

Und heute: wenn wieder was passiert, inklusive Berlin: Ich bin der Scheiße unendlich müde. Angst macht sie keine mehr. Aha, Terror. Freunde betroffen? Nachrichten? Politische Schaumschlägerei, Medien-Elend immer und immer wieder. Niemand kann ständig Angst haben. Frag die Leute in Israel, im Irak, in Afganistan.

Und dann Trump und auch der elende Brexit. Was ist nur los mit den Leuten? Die, die am lautesten schreien und die meisten Lügen verbreiten, werden gehört. Grotesk, würdelos, hirnlos. Man kann eigentlich nur drüber lachen. Nach der US Wahl schaute ich morgens auf mein Handy und dachte WIRKLICH? – das muss ein Witz sein. War es aber nicht. Wahnsinn.

Was wir tun können: Ich meine: Eine Haltung haben. Vor uns selbst und den Menschen, denen wir begegnen. Und wenn Freunde oder Familienangehörige anfangen, zu spinnen, die Diskussion suchen, auch wenn es Ärger gibt. Damit wäre viel geholfen. Und nicht den Kopf verlieren, uns umschauen. Ich kenne ein paar Muslime: alles tolle Leute. Ich hab ein paar Flüchtlinge hier in München gesehen: ich war froh, dass die hier waren. Die Welt verändert sich, die ganze Zeit. Es gibt nicht DAS Deutschland, das immer so bleibt, wie es jetzt ist. Es gibt eine terroristischen Völker oder Religionen. Auch wenn sich das manche wünschen – so einfach ist es nicht.

Ihr merkt schon: Meine Verunsicherung ist eine Allgemeine. Den Halt und die Hoffnung gibt mir das Persönliche. Das scheint mir, ist es auch, was zählt. Und auf dieser Ebene war es, wieder, ein wunderbares Jahr. Ich bin glücklich über den zivilisierten, höflichen Umgang der Menschen hier in München, über meine paar tollen Freunde, über wunderbare Kollegen und Journalisten, mit denen ich zu tun habe, und die meinen Horizont erweitern. Und natürlich über wunderbare Künstler, große und kleine Stars, kommende Größen und echte Ikonen, mit denen ich das Vergnügen habe, tagtäglich und oft auf einer ganz freundschaftlichen Ebene umzugehen.

Ich habe schon ganz früh Mixtapes gemacht, manchmal Platten gekauft und direkt wieder verliehen, Leuten immer gerne irgendwelche Sachen nahgebracht, von denen ich meinte, dass diese sie glücklich machen. Das mach ich nun beruflich, seit über 15 Jahren. Und ich bin mittlerweile ganz zufrieden, wie das klappt. Auch wenn Erfolg und Frustration mehr denn je nah beieinander liegen und man manchmal das Gefühl hat, man schießt mit immer größeren Kanonen auf immer kleinere Spatzen. Für ein paar mal Gold hat es dann aber doch gereicht. Und für einige Karrieren, die ganz allgemein einen Schritt weiter sind, als vorher. Das ist wunderbar. Und natürlich sind es die Dinge, die in diesem Jahr zum ersten Mal passiert sind, die besonders hängen bleiben: die erste wirkliche Mainstream-Talkshow, die erste riesen-Story in einem renommierten People-Magazin, viel TV, ganz viel neue Erfahrungen im europäischen Ausland und den USA, ganz viel gelernt über facebook und social Media. Und eine ganz wunderbare, wirklich einmalige Geschichte noch am Horizont.

Und, wie konnte ich das vergessen: Nochmal München. Fast hätte ich die Koffer packen müssen, fast wäre dies meine letzte Woche geworden, in der Stadt, die ich seit sieben Jahren meine Heimat nenne, und die ich innig liebe, so wie ich noch keine Stadt geliebt habe. Und in der ich mich bedingungslos heimisch fühle. Ein paar Wochen vor Jahresende kam dann doch alles anders. Ich könnte nicht glücklicher darüber sein.

Und wenn wir von Städten sprechen – Mensch, ganz schön rumgekommen dieses Jahr, beruflich, wie privat. Paris, London, Helsinki (nochmal ganz neu entdeckt), Zürich, Genua (vollkommen unterschätzt!), Sienna, Florenz Venedig. Und natürlich: ITALIEN ganz allgemein- Ligurien und Toskana. Jetzt schon große Sehnsucht. Ich wollte immer viel rumkommen, irgendwie hat das lange nicht so recht geklappt. Das ist für mich wirklich ein Geschenk.

Sehr bewegt hat mich auch die letzte Sendung von Jürgen Domian. Seitdem ich das schauen darf, hab ich die Sendung verfolgt. Anfangs sicher vor allem aus Voyeurismus. Wahrscheinlich gehört das auch bis heute ein bisschen dazu. Aber es trat schnell in den Hintergrund, weil man merkte, dass der Mann es wirklich ernst meinte. Und weil man das Leben in all seinen Facetten erfahren konnte. Ich bewundere Domian sehr, ein Mensch, der es in seinen prägenden Phasen nicht leicht gehabt hat, die so entstandene Sensibilität ihn aber zu etwas ganz Besonderem und zu einer Stütze und einem Vorbild für viele Menschen hat werden lassen. In anderem Kontext, z.B. in der Wirtschaft, hätte dieser Mann wahrscheinlich als schwach gegolten. So aber ist er klug, stark und fast weise.

Soll ich noch etwas über das Allerwichtigste im Leben schreiben, die Liebe? Ich glaube, die ist doch ein bisschen zu groß und bedeutend, für so einen Blog…

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