Kindheitsgeschmack

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In meiner Heimatstadt Suhl gab es zu DDR Zeiten das erste und einzige japanische Restaurant der DDR und sicher auch eines der ersten in ganz Deutschland. In dem Zusammenhang sei der wirklich wunderbare Film „Sushi in Suhl“ wärmstens empfohlen. Wir kannten den Koch und Besitzer, hatten immer mal Zugang zu dem Laden und so fand sich in tiefster DDR Zeit auch immer mal ein Fläschchen original Kikkoman Sojasoße bei uns zu Hause wieder. So kam es, dass, trotz Kindheit im Osten, Sojasoße zu meinen wichtigsten und unvergesslichsten Kindheitsgeschmäckern gehört.

Seitdem kriegt man mich noch mit dem mittelmäßigsten asiatischen Essen. Ich WILL es einfach. Was ich schade finde, ist, dass die, weiß Gott total unterschiedlichen Länderküchen Asiens heute oft zu einem Asja-Bringdienst-Mischmasch verkommen sind. Sushi-Thai-China-Vietnam. Irgendwann will ich da überall mal hin, bis dahin freut es mich, wenn man hier wieder die reinen Länderküchen findet, obwohl mir klar ist, dass auch China nicht gleich China ist und es auch dort riesige regionale Unterschiede gibt. Aber es ist doch ein Anfang. Und gerade die chinesische Küche interessiert mich seit einer Weile wirklich sehr. Sie scheint mir unglaublich deftig und intensiv. Gewürzschwer, oft alles andere als leicht, viel Schweinefleisch, Chilli, wahnsinnig starke Aromen.

Zwei Läden fallen mir zu dem Thema in München, bei mir um die Ecke, ein.

Bei XIANG  am Alten Messplatz gibt’s tränentreibend-scharfe, sehr authentisch wirkende chinesische Gerichte, wenn auch in recht schmucklosem Ambiente. Immer ein gutes Zeichen: Viel mehr Asiaten, als Europäer unter den Gästen. Ich weiß noch nicht, ob ich mich mal an den geschmorten Dickdarm oder die Schweineklauen oder Hühnerfüße wage. Ich meine aber, es ist gut, dass die Sachen auf der Karte stehen, es spricht einfach für das echte Zeug. Ich hatte Schweinerippchen mit schwarzen Bohnen und Gemüse. Unglaublich scharf, auf jeder Gabel hatte ich mindestens ein 2 cm großes Stück getrocknete Chillischote, dazu Ringe von frischem Chilli. Man schwitzt, Tränen fließen, die Nase läuft. Aber es schmeckte HIMMLISCH. Tief-würzig und zart. Wirklich süchtig machend. Beim Essen unbedingt die Finger vom Alkohol und am besten auch von allen anderen Getränken lassen, die verstärken die Schärfe nur. Wenn’s zu arg wird, ein Löffel Reis und sonst: sich einfach der Action hingeben, die da auf der Zunge passiert. Es gibt auch einen wunderbar dünn geschnittenen, geschmorten Schweinebauch mit Gemüse, auch sauscharf, aber genauso gut.  Und es gibt eine Menge nicht-scharfer Gerichte auf der Karte.

Bei YEN’c Hot Pot am Heimeranplatz gibt’s chinesischen Feuertopf. Eigentlich ein Gericht für viele Leute, eine Art Fondue, bei der in er Mitte eines runden Tisches ein Topf mit feurig scharfer, heißer Brühe eingelassen ist, in dem alle möglichen Sachen gegart werden. Bei dem Laden hier hat jeder Gast eine kleine Induktionsplatte mit eigenem Fond, der auf Wunsch scharf, leicht scharf oder gar nicht scharf und auch vegetarisch bestellt werden kann. Dazu gibt es frisch und dünn aufgeschnittenes Lamm- und Rindfleisch, ein kaltes Büffet mit weiteren Zutaten wie Gemüse, Fisch- und Meeresfrüchten, Nudeln, Reis, Soßen und auch ein paar ulkigen Sachen wie Pansen, Schweine- und Hühnerfüßen, kaum essbaren Krabbenteilen in der Schale und diversen Algen. Und auch ein, sich allerdings nicht sehr vom üblichen Asia-Büffet-Standard abhebendes, und eigentlich zu vernachlässigendes warmes Büffet. Das tolle sind die dünnen Fleischscheiben, in der Brühe gegart mit Gemüse, Reis und Dips. Auch hier wieder: Fast nur Asiaten und ein paar interessierte Europäer. So muss es sein.

2 Kommentare

  1. gotwol · September 14, 2016

    ß

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  2. dinner4artemis · September 21, 2016

    den Film habe ich mir 2x angesehen, weil er mir so gut gefiel!

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