Toskana #1 – Leider geil.

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Mir ist es ganz ganz wichtig, niemals ein Küchen- oder sonstiger Snob zu werden, dem das Teuerste immer gerade gut genug ist. Deshalb alleine schon hab ich vor einem Trüffel-Post leicht mulmige Gefühle. Aber wir wollen doch immer ehrlich sein und sind eh unter uns, oder?

Ich hatte bisher drei Trüffel-Erlebnisse. Nr. 1 – Lieblings-Italiener hier in München: „Isch abe besondere Angebot diese Woche: Tagliatelle mit de frische Truffel drauf, musse probiere.“ Die Trüffel rieche ich schon lange, bevor ich sie sehe. Gute, hausgemachte Tagliatelle, Butter, ein paar Scheibchen Sommertrüffel und ein ordentlicher Schuss Trüffelöl. Ehrlich: Damals fand ich es geil. Und irgendwie war ich angefixt. Mist.

Heute weiß ich: das meiste, was an dieser Portion Pasta nach Trüffel geschmeckt hat, war das, rein synthetische, Trüffelöl. Die paar Scheiben Sommertrüffel, die viel viel preiswerter sind, als der schwarze Wintertrüffel, sind eher Deko. Ich find, wenn’s schmeckt, dann schmeckt’s. Und deshalb ist das auch ok. Nur hat es mit dem Naturprodukt nix zu tun und ich steh einfach aus Prinzip nicht auf chemische Verarsche.

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Das zweite Trüffelerlebnis, hier auf dem Foto, war viel besser. Kleines Dorfrestaurant, im Hinterland des Gardasees, Trüffel aus der Gegend, gesammelt von einem  Freund des Wirtes. Wieder super Tagliatelle, wieder „nur“ Sommertrüffel, aber reichlich und ohne Trüffelöl. Geil. Mit nix vergleichbar. Nicht halb so kräftig, wie die Trüffellöl Nummer, aber EGAL – blumig, nussig, zart, duftig, wunderbar. Und die Portion für 10 €.  Hier hab ich wirklich kapiert, dass einen die Trüffelöl Produkte nirgendwo hinbringen und man trotzdem überhaupt nicht viel Geld ausgeben muss. Wenn man denn Glück hat.

Vor Trüffel Selbstkaufen hab ich trotzdem immer zurückgeschreckt, einfach mangels der Fähigkeit, die Qualität eines solch doch immer noch teuren und zugleich flüchtigen Produkts einschätzen zu können. Jetzt, in  der Toskana, wurde mir für’s erste geholfen.

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San Gimignano, einer der touristischsten (aber unbedingt besuchenswerten) Orte in der Hauptsaison. Und auf dem Marktplatz wohl so eine Art temporäre Präsentation lokaler Spezialitäten in Form von ein paar Ständen inkl. Trüffelstand. 80 Prozent Konserven mit „Aroma“, aber eben auch frische Sommertrüffel, angeblich max. einen Tag alt. Skeptisch aber doch neugierig. Das Exemplar auf dem Foto oben, so groß wie eine sehr große Walnuss sollte 15 € kosten. Das war mir den Versuch auf jeden Fall wert, zumal das Ding tatsächlich, zwar nicht kräftig, aber doch LATENT nach Trüffel roch. Also gekauft. Und in Papier in der Handtasche der Liebsten verstaut.

Wir gehen weiter durch die Stadt, und immer wieder denk ich, „was riecht denn hier so?“. Nach einer Stunde: die ganze Tasche riecht leicht, aber unbestreitbar nach Trüffel. Daheim: Das Auto: Trüffel. Leicht, aber latent. Trüffel in Küchenpapier, ab in ein fest schließendes Glas und in den Kühlschrank. Für morgen. Heute zu satt. Nachts von trüffeln geträumt.

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Ok, ran an den Speck! Gute trockene Tagliatelle mit Ei ab ins Wasser (im Urlaub mach nicht mal ICH die Pasta selbst und das muss bei ungefüllten Sorten auch überhaupt nicht sein – die hier war einfach nur ein Traum). In einer zweiten Pfanne ordentlich Butter aufschäumen lassen. Ich hatte natürlich keine Trüffenreibe, deshalb die GANZE, vorher kurz gewaschene und trocken geriebebe Trüffel mit einer Parmesanreibe ganz fein in die köchelnde Butter gerieben, was sich als die beste Variante herausstellte, denn in Scheibchen ist die Sommertrüffel eher zäh und fein gerieben verbindet sie sich perfekt mit der Butter. Das letzte Eckchen, damit die Finger nicht dran glauben müssen, einfach noch mit dazu. Nudeln tropfnass in der Trüfffenbutter schwenken und ein bisschen frisch geriebenen Parmesan dazu.

Es war zum UMFALLEN gut. Ich hatte  mir der Trüffel wohl Glück, denn offensichtlich war sie so frisch, wie versprochen. Wichtig scheint mir, dass das Ding von Anfang an ein BISSCHEN nach Trüffel riecht. Es muss aber wohl gar nicht SO stark sein. Das volle Aroma entfaltet sich wirklich erst beim Erwärmen. Butter und Tagliatelle passen wohl am besten. Und mit der Pasta hier hätte man locker vier Leute glücklich gekriegt.

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HÄTTE – weil die Liebste unter einer Pilzallergie leidet und wir es mit dem König der Pilze irgendwie nicht probieren wollten. Hier in reichlich frischer Butter zwei angedrückte Knoblauchzehen, einen kleinen Zweig frischen Rosmarin und zwei ganz junge, frische, in dünne Scheiben geschnittene Zucchini geschwenkt, die tolle Pasta und etwas Parmesan dazu und das war ähnlich pur und wunderbar.

 

 

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