Kneipen

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Ich liebe Kneipen. Seitdem ich ungefähr 16 bin. Kneipen. Keine Bars, keine Cafés. KNEIPEN. Meine Vorstellung von einem rundum gelungenen Abend seit dieser Zeit: Zu zweit oder in kleiner (!) Runde an einem dunklen Holztisch sitzen. Was trinken (Bier, und eigentlich NUR Bier) und reden. Gerne bis die Kellner die Stühle auf die Tische stellen und sich selbst noch dazu gesellen.

Daran hat sich bis heute wenig geändert, höchstens zwischenzeitlich in der Pfalz mal für ein paar Jahre das Getränk (0,5 l Weinschorle statt Bier) oder jetzt in Bayern gelegentlich die Größe des Getränks (manchmal 1l statt 0,5 l) und die Möglichkeit einer Kneipe im Freien (=Biergarten).

Aber die Prinzipien für die perfekte Kneipe bleiben immer gleich:

  • Holztische, mit Vorliebe dunkel
  • Raum schummerig, nicht zu hell (Ausnahme: Biergarten)
  • KEINE Cocktails auf der Karte. Höchstens qualitativ mäßiger Wein. Trinken eh alle Bier. (nur vom Fass)
  • Die Bedienung weiß ab dem dritten Besuch, was Du trinkst, ab dem fünften Deinen Namen. Personal insgesamt zum Liebhaben und im Kumpel-Verhältnis mit dem Gast. Auch gerne ältere, so toughe wie liebenswerte Frauen, von denen man sich adpotieren lassen will. (s.u. – Zwiebelfisch)
  • Es gibt was zu Essen, mit Vorliebe deutsch-deftig, plus das obligatorische Putencurry. Es wird auch mal experimentiert, aber Du nimmst eh immer das Selbe (Schnitzel, Currywurst, immer im Wechsel) und das ist auch gut so.
  • Musik: Blues, Bluesrock, Rockblues, Bluegrass, gemäßigter Classic Rock, zu späterer Stunde: Peter Gabriel, Pink Floyd. KEIN Schlager. NICHT in meiner Kneipe.
  • Keine SZENE, kein PUBLIKUM. Alles von 16 bis 90. Von arm bis reich. Von intelligent über schlau bis weise.
  • Meine Kneipen: Generell leichter Linksdrall bei den Leuten. Keine Dumpfbacken-Stammtischpolitik Läden. Eher stinknormal, leich-öko bis alt68er.
  • Kulturveranstaltung 1x im Monat (Blueskonzert, Lesung), wird von Stammgästen konsequent gemieden.
  • Man kann auch mal alleine hingehen, was essen und ein bisschen  Zeitung lesen, ohne sich bescheuert zu fühlen. Gleichzeitig kann man auch mit allen quatschen.
  • Ganz generell: die richtig schönen Läden sind selten ganz besonders irgendwas. Es sind die Leute, der Lieblingswirt, nettes Personal, das Wohnzimmer-Feeling.

Meine Top 3 – dabei geht es nicht um berühmte oder irgendwie besondere, legendäre Läden. Sondern um die lieblings-Wohnzimmer-wohlfühl Kneipe.

Was mich wahnsinnig interessieren würde: EURE Lieblingskneipe in EURER Stadt.
Egal wo. Schreibt’s in die Kommentare! BittebittebittebitteBITTE!

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Gambrinus Suhl

Kneipe: Ort meiner Jugend. Heimat. Mehr als jeder andere Ort meiner seltsamen Heimatstadt. Wochentags (abends) am Tresen mit dem besten Freund und der Thekenfrau quatschen und rauchen. Am Wochenende gerade noch so einen Tisch für 10 kriegen, noch mehr rauchen.Billiard im Hinterzimmer. Rumknutschen vor der Tür. Die erste Trennung runterspülen an der Bar. Am 25.12. alle Freunde sehen, egal wie weit sonst verstreut. Blueskonzerte von denen ich in bestimmt zwanzig Jahren nicht EINS besucht habe (ich mag Blues, aber dann konnte man nicht mehr REDEN) – Kneipe war schon an normalen Wochenenden unfassbar voll und unfassbar verraucht. Bei Konzerten absolut nicht zum Aushalten. Trotzdem geil. Wirt „Paul“ eine liebevolle, stoische, coole Mischung aus Ingo Insterburg und einem Schuss Lindenberg. Dazu alters- und zeitlose Stamm-Bedienung Susi. Ein Wunder. Und ein Ruhepunkt.

Küche / Bier: Sehr gute thüringer Küche zu sensationellen Preisen. Standards: Rostbrätel mit Bratkartoffeln oder Kartoffelpuffer mit Rahmchampignons. Stammbier: Schwarzbacher (Kleine Lokalbrauere. Aus heutiger Sicht eigentlich kein besonders tolles Bier, muss aber trotzdenm. Und in den letzten Jahren ist es wohl auch besser geworden- Es gibt aber auch bekanntere Marken vom Fass – also keine Angst.)

Web: www.gambrinus-suhl.de

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Stragula Realwirtschaft München

Kneipe: Nach langer, harter Suche aktuelle Stamm- und Lieblingskneipe im Münchner Westend. Sehr, sehr gemischte Leute. Immer fröhliches Pesonal. Wirt „Alex“, der Legende nach Grieche, allerdings mit Ur-bayrischem Gebaren und einer ordentlichen Portion Grant („Geh weider, Preiss!“), bei dem sich erstmal der GAST anstrengen muss, akzeptiert zu werden. Aber der bayrische Grant heißt auch: „Mir gefällt zwar Deine Nase nicht, aber ich nehm Dich wahr. Also sei froh, dass Du mir nicht wurscht bist.“ Und irgendwann geht’s. Einmal monatlich Poetry Slam, auf dem ich sogar schon war, und der toll war. Leider VIEL zu viel Fußball. Aber was soll man machen, ist halt Bayern („Geh weider, Preiss!“)

Küche / Bier: Standards schmecken (Currywurst, Schnitzel, Burger, Schweinsbraten), beim Rest schwankt die Qualität total (wöchentlich wechselnde Karte). Von sowas wie Thai-Curry würde ich unbedingt die Finger lassen. Bier: DAS BESTE = Augustiner. Und ich habe auch festgestellt, dass das in verschiedenen Kneipen in München unterschiedlich schmeckt, auch wenn vom Fass. Hier schmeckt es am zweitbesten von allen. (unschlagbar: Wirtshaus am Isartor).

Web: www.stragula.org

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Zwiebelfisch Berlin

Kneipe: Auf eine Art die konkurrenzlos beste Kneipe der Welt. (Wie ich gerade auf der Wesite lese, sieht das auch „The Spectator“ so. Ich hoffe BLOß, das ändert nix.) Ein kleiner Laden am Savignyplatz in Charlottenburg. Also Alt-West-Berlin-Mitte. Hier saß schon die RAF im Hinterzimmer, Politiker, Journalisten, Linke, Rechte, Knastis, Omis. Trotzdem überhaupt kein Szene-Laden. Überhaupt nicht gewollt. Es lebt ein Kater dort (Zappa), der eines Tages kam und blieb. Haupt-Personal: so reizende, wie strenge ältere Damen und ein paar jüngere Bedinungen, die allesamt alle Phasen des Nachtlebens durchlaufen haben um schließlich WIEDER in der Kneipe anzukommen. Man kann immer alleine hingehen, wenn man mit jemandem redet, dann sind es immer spannende Typen, die was zu erzählen haben. Berlin-typisch fast durchgehend geöffnet.

Küche / Bier: Durchgehend großartig. Einfachste Gerichte wie Zwiebelsuppe, Chili con Carne, Königsberger Klopse in der mini Küche hausgemacht und vom netten Koch mit Ehrfurcht vor dem Gericht und einer kleinen Verneigung an den Tisch gebracht. Spricht man ihn z.B. auf die Gewürze im Chilli an, fängt er an zu Strahlen. Bier: Muss mich dran gewöhnen: Standard ist das 0,3 l / 0,4 l kultivierte 5 min. Pils im bauchigen Pilsglas, mit Papiermanschette am Fuß, eiskalt. Irgedwie schon geil. Aber mir mittlerweile als „Helles“ Trinker zu bitter und vor allem zu klein.

Web: www.zwiebelfisch-berlin.de

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Zappa

Foto ganz oben: Wilhelm Hoeck in Berlin.

Außer Wertung, da bisher nur 1x besucht, aber im Rahmen dieses einen Besuches als hochinteressant eingestuft.

www.wilhelm-hoeck.de

2 Kommentare

  1. ElfimKüster · Juli 6, 2016

    Supergiude, mach ich gerne mit. Meine Lieblingskneipe in Hamburg:“Die Glocke“ an der Isestraße. Erfüllt alle Kriterin und mehr. Oase im feinsten Kaschmirvirtel. Hach, es gibt sie noch, die guten Dinge.

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