Küchenpsychologie (Gnocchi mit Kurkuma und Pesto)

gnocchi

Ganz schön viel nachgedacht über dieses Gericht. Irgendwie ist das ein Destillat aus dem, was für mich Küche ist.

Mein Pesto

Einen großen Bund Basilikum, einen  großen Bund Petersilie, 1 Tasse Gemüsebrühe (instant ok), 1 EL Kapern und 1 Hand voll Mandelblätter fein pürieren. Eine ordentliche Hand geriebenen Parmesan, Olivenöl und Zitronensaft nach Laune gut untermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Durch die Brühe ist das weit weniger ölig, als das Standardrezept und durch die große Menge Kräuter auch sehr ergiebig. Hier ergaben das locker zwei Einweckgläser voll. Ich glaub, das isses. In Zukunft würde ich anstatt der Hälfte Petersilie noch ein bisschen mit Koriander, Kopfsalat, Ruccola, Minze, Feldsalat und statt Mandeln mit Kürbis- oder Sonnenblumenkernen und entsprechendem Öl experimentieren.

Gnocchi

Sechs große, mehligkochende Kartoffeln weich kochen. Pellen und ein bisschen ausdampfen lassen. Ein Ei, 1 TL Salz, 2 EL gemahlenen Kurkuma und soviel Pastamehl (oder Semola di grano duro) untermischen, dass die Masse eben so nicht mehr klebt und sich verarbeiten lässt. Erst 1 cm dünne Rollen formen, dann in Stückchen schneiden und portionsweise in simmerndem Salzwasser so lange ziehen lassen, bis die Gnocchi nach oben steigen. Dann in kaltem Wasser abschrecken, absieben und in einer Form mit ein bisschen  Olivenöl so lange beiseite stellen, bis alle Gnocchi fertig sind. Zum Servieren in einer beschichteten Pfanne etwas Butter aufschäumen lassen, ein paar frische Salbeiblätter rein und Gnocchi in der Salbeibutter leicht braun anbraten. Auf einen Teller, etwas Parmesan und ein paar Kleckse Pesto dazu.

Denken musste ich: an meinen Vater. Der hat schon immer gerne und super gekocht. Nach der Wende (wir kommen aus Thüringen) stand plötzlich eine ganze Welt offen. Initialzündung für das ganze Koch-Ding bei uns: Eine BR Doku über die „Aubergine“ in München und deren, ich meine, 17 Gänge Menü. Unglaublich. Dekadent wie von einem anderen Stern. Aber nicht auf eine doofe Art. Beim ersten München Urlaub hatten wir uns noch die Nasen am Küchenfenster plattgedrückt und da stand wirklich Eckart Witzigmann, dünn, schwitzend, im Stress.Vergess ich nie. Ein cooler Typ, cooler als Brad Pit und Jonny Depp. Ein Künstler, ein Berserker. Unerreichbar. Nicht mal da ESSEN war denkbar. Davon, so zu kochen, ganz zu schweigen.

Deutlich schaff- und nahbarer: Alfredissimo. Papa archivierte jede Sendung. Noch heute weiß ich bei den meisten Prominenten, was die damals gekocht haben. Try me: Stefan Raab (Plumpssäckchen), Harald Schmidt (Spanischer Fleischtopf), Till Brönner (panierte Lammkotletts), Blixa Bargeld (schwarzes Risotto), Regine Hildebrandt (Frankfurter Kranz), Klaus Jürgen Wussow (Forelle, und er hat es nicht eine Sendung lang ausgehalten OHNE zu rauchen!), Karl Dall (Saunudeln)….. Bei Bio gab’s das erste Risotto (ausprobiert und verliebt) und die ersten Gnocchi (dito). Und die gab’s dann auch bei Papa und mir. Und in der Tat: wir hatten von nix ne Ahnung, das war L A N G E vor Supermarkt Gnocchi & Co.. Ich fand das aufregend. Und das find ich immer noch. Bei allen neuen Sachen, die ich so probiere. Essen ist halt nicht nur Ernährung, sondern ggf. auch die große weite Welt.

Und schließlich: Wer hier so mitliest, wird gemerkt haben: neben der deutschen Küche (von der sich aber komischerweise hier bisher kaum was sehen lässt), ist die italienische Küche wirklich am meisten mein Ding. Hier will ich es WIRKLICH wissen. Nun hab ich schon so viel probiert und war auch schon einige Male in Italien, dass ich meine, ich habs halbwegs drauf. Und will von da aus auch ein  bisschen weiter. Brühe im Pesto? Niemals. Kurkuma in den Gnocchi? Bloß nicht. Von wegen: Im letzten Italien Urlaub schliefen wir in einer netten Unterkunft, die auch ein Restaurant hatte. Mutter und Sohn in der Küche. Vor allem die Mutter war wohl viel rumgekommen. Besonders in Indien. Und die mischte immer Kurkuma in ihren täglich frischen Brotteig. Ich fragte dann, wie das so ankäme bei den Italienern und sie meinte, es sei schwierig, aber sie lernten, ein bisschen was auszuprobieren. Ich finde das mutig. Und wichtig. Die französische Küche hat es von ihrem hohen Thron aus ein Stück weit verschlafen, sich mit der Realität der Menschen weiter zu entwickeln. Die Deutschen wiederum haben sich eine Weile so sehr von der eigenen Küche distanziert und alles Mögliche ausprobiert, dass ordentlich durchgelüftet werden konnte. Ich meine, auch die italienische Küche ist nicht unantastbar, sondern, wie alle Kulturleistungen, immer im Wandel. Deshalb gehen für mich auch Gnocchi mit Kurkuma. Wenn’s denn schmeckt.

 

 

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