Maßhalten auf Italienisch

 

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Über meine Begeisterung für das Reduzierte in der italienischen Küche habe ich mich ja schon oft ausgelassen. Ich finde, davon kann man, küchentechnisch, wie auch lebensphilosophisch was lernen. Weg mit dem ganzen Firlefanz, Beiwerk, Dekokram, der nur vom Wesentlichen ablenkt. Das hier, Polenta, Mangold, Kirschtomaten, wäre so ein Ding.

Ich war mal in Verona essen, nette, einfache Trattoria. Das italienische ältere Päärchen am Nebentisch aß: Polenta mit Gorgonzoloa. Ein Teller Polenta, offensichtlich ziemlich pur, mit Wasser gekocht, in der Mitte maximal ein Esslöffel Gorgonzolabrösel. Dazu ein Glas Rotwein. Wir kamen ins Gespräch (die Frau stammte aus Südtirol und sprach gut Deutsch). Man habe keine Lust zum Kochen gehabt und wäre deshalb ausgegangen. Mich hat es beeindruckt, dass man für ein so einfaches Gericht, das aus zwei Zutaten besteht, den Arsch hoch gekkriegt und sich nett angezogen hat und in ein Restaurant gegangen ist. Ich hätte mir wahrscheinlich irgendeinen Bringdienst-Kram bestellt, über den ich mich im Nachhinein geärgert hätte. Wir sprachen dann noch über Polenta. Dass ICH die mit Milch, satt mit Wasser koche, konnte man sich GERADE noch so vorstellen. Als ich aber das Hinzufügen von Salbei, Thymian oder Rosmarin in Betracht zog, erntete ich ehrlichen Prototest, die Frau versicherte sich auch nochmal bei ihrem Mann. Auch der hatte von solcherlei Frevel noch nie gehört. „Rosmarin, noooo, no no no, nooooo.“ Bei allem, was ich über die italienische Küche weiß: Die Italiener wollen ihre Klassiker nur auf EINE Art: Wie bei Mamma. Alles andere ist für sie krank. Da bin ich wiederum froh, ein bisschen rumprobieren zu dürfen. Wie bei einer italienischen Mamma krieg ich es eh nicht hin.

Rezept

Polenta

Wenn’s geht keine Instant Polenta. Der Unterschied ist wie bei Kartoffelpüree: Kennt man es nicht anders, ist Instant wirklich ok. Hat man es ein paar mal „echt“ gegessen, mag man nicht mehr anders. 2 Tassen Wasser und 3 Tassen Milch mit etwas Salz aufkochen. Mit einem Schneebesen 1 Tasse Polentagrieß einrühren. So bald die Polenta andickt und blubberig-zäh zu kochen beginnt, Herd auf niedrige Hitze (3 von 9) runterschalten, Deckel auf den Topf und ca. 45 min. köcheln / quellen lassen. Gelegentlich umrühren. Polenta brennt IMMER am Boden leicht an, diesen Bodensatz einfach in Ruhe lassen und NICHT loskratzen, passiert sonst immer wieder. Nach Ende der Kochzeit mit Muskat würzen, ein ordentliches Stück Butter und Parmesan rein (bei mir: bis der Arzt kommt).

Mangold

Den weißen Teil vom grünen Teil trennen und in Streifen schneiden. In reichlich kochendem Salzwasser blanchieren. Nach ca. 2/3 der Garzeit den ebenfalls in Streifen geschnittenen grünen Teil dazu. Dann abgießen und abschrecken. In einer Pfanne eine fein geschnittene Schalotte und Knoblauchzehe anschwitzen. Mangold mittelfein hacken, ein bisschen ausdrücken und dazu geben, mit Salz, Pfeffer und ein bisschen Zucker würzen und nur nochmal 5 min. erwärmen. Vom Herd nehmen und 2 EL vom besten Olivenöl dazu, was man im Haus hat.

Kirschtomaten

In eine heiße Pfanne ein bisschen Olivenöl geben, Kirschtomaten rein bis sie aufplatzen, mit Zucker, Salz und Pfeffer würzen und noch ein bisschen schwenken bis sie halb-weich sind.

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