Neulich hab ich Rolf Zuckowski getroffen

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Ok, ich wollte hier von Anfang an über Küche und Musik schreiben. Und über Themen, die irgendwie mit diesen Dingen stehen. Bisher gab es aber, bis auf „Günni“ eigentlich nur Küche und keine Musik. Dabei ist es ja so: das Kochen ist für mich eine nette Nebensache. Zeitvertreib. Eine Art, andere Menschen glücklich zu machen. Auch eine Art Kulturgenuss. Und natürlich, man muss ja essen. Und wie es Jamie Oliver schon richtig sagt: Wenn Du schon für den Rest Deines Lebens dreimal täglich etwas essen sollst, warum dann nicht (öfter mal) was Gescheites. Dennoch: ich habe das Kochen nie als meinen Lebensmittelpunkt gesehen.

Ganz anders ist das mit der Musik. Ich meine zwar, dass es auch noch wichtigere Dinge gibt. Aber in meinem Leben spielt sie eine zentrale, elementare Rolle. Es gibt eigentlich kein Leben ohne. Besonders natürlich, da ich seit nun 15 Jahren in der Musikbranche, besonders im PR Bereich, oder wie wir sagen „Promotion“ arbeite. Das macht es mir aber auch irgendwie schwer, so im lockeren, meistens auch ordentlich naivem und von viel aufgeschnapptem Wissen und persönlichen Eindrücken geprägten Ton über Musik zu schreiben, wie ich es zum Thema Küche kann. Bei Musik muss bei mir alles Hand und Fuß haben. Bei dem Thema ist Schluss mit lustig. Dazu kommt: Schreib ich hier auch über Themen, an denen ich arbeite? Oder über die aktuelle Konkurrenz? Setz ich mich nicht permanent in die Nesseln? Andererseits, warum das ganze Ding hier mit Banalem füllen, wenn mich was wirklich bewegt?

Schließlich habe ich mich entschieden: Das hier ist mein Privat-Senf, Lust und Laune. Und ich mach das dann doch wie beim Kochen. Mit viel Bauch- und ein bisschen Fingerspitzengefühl. Wird schon schief gehen. Und vielleicht animiert es Jemanden zu etwas Tollem.

Hier also die erste Musik-Geschichte, ein kleiner Artikel, der noch aus dem facebook Blog stammt. Damals gab es eine Aktion, „Sieben Tage, sieben Songs“. Ich mag sowas, finde Aktionen immer toll, die uns auf facebook dazu bringen, etwas besonderes von uns mitzuteilen. Und eine Geschichte mag ich hier noch einmal wiedergeben, weil sie mich einen Helden meiner Kindheit und frühen Jugend hat neu entdecken lassen, der mich seitdem wieder begleitet und sehr froh gemacht hat.

Neulich hab ich Rolf Zuckowski getroffen

7 Songs, 7 Tage #5 – jetzt geht’s ans Eingemachte: Gerhard Schöne „Ein Junge weint nicht“. Neulich habe ich Rolf Zuckowski getroffen. Ich wollte was Nettes sagen und sagte den dümmsten und von ihm wohl meistgehörten Satz aller Zeiten „Ich bin mit Ihren Liedern groß geworden.“ Das schlimmste ist: Ich kenne überhaupt keine Lieder von Rolf Zuckowski. ICH = DDR Kind bin mit den Liedern von Gerhard Schöne groß geworden. Ich konnte sie ALLE. Mein Lieblingslied war „In der Erinnerung“ aber das gibt es nicht auf Youtube. „Ein Junge weint nicht“ berührt mich aber heute noch sehr. Ich habe Schöne mal geschrieben, und meinen Respekt bekundet. Zurück kam nix, ist nicht schlimm. Ich hoffe, er ist gut mit sich und es läuft – er hat Generationen geprägt.

Exemplarisch für eine ganze Reihe wundervoller Alben ist Schönes „Menschenskind“ aus dem Jahr 1985. Mit ganz einfachen Worten singt Schöne von scheinbar ebenso einfachen,  vermeindlich simplen Weis- und Wahrheiten, die sich aber auch durch hartes und skeptisches Hinterfragen (so man denn will) nicht ins Wanken bringen lassen. Das ist die größte Stärke Schönes – nicht belehrend, nicht vordergründig politisch, nicht verklausuliert, sondern ganz klar und und doch wahnsinnig poetisch sind seine Texte. Er singt kleinen Mädchen, die alte Omas auf der Schaukel anschubsen („Die Alte auf der Schaukel“), von Menschen, die aufhören zu täumen („Erwachsen“) und davon, wie man das Träumen wieder lernen kann („Fantasia“), gegen Ausgrenzung („Wellensittich und Spatzen“) und  über die Wiederentdeckung der Langsamkeit („Ganz einfach“). Dabei stehen scheinbare Kinderlieder absolut selbstverständlich neben Gänsehaut-erzeugend Eindringlichem („Ich kann es nicht vergessen“). Kinder werden ein bisschen reifer, Erwachsene wieder ein bisschen Kind.

Warum kennt Schöne jenseits meiner Generation und der ehemaligen innerdeutschen Grenze kaum noch jemand? Diese Musik und die Texte sind so gut und so zeitlos und musikalisch kann das Ganze heute auch locker bestehen. Ich habe mich nach der Wiederentdeckung in das aktuelle Werk reingehört und muss sagen: NICHTS davon erreicht auch nur ansatzweise diese Leichtigkeit und gleichzeitig Tiefe, wie die früheren Lieder. Erhobene Zeigefinger vielerorts, stellenweise schwingt Frust mit, keinesfalls diese fast schon weise Gelassenheit der Vor-Wende Platten. Und auch musikalisch ist nichts besser geworden.

Das ist nicht schlimm, ist doch all das Gute noch da und wartet nur darauf, in vielen Kinder- und Wohnzimmern wieder gespielt zu werden.

Album bei Spotify

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