Tagliatelle Thuringia

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Kurz nach der Wende machte in einem Vorort meiner Heimatstadt Suhl der erste Italiener auf. Das Restaurant „Milano“ wurde in der lokalen Presse gewürdigt, weil wohl einer der Köche „schon einmal selbst in Italien war“. Darauf hin brummte der Laden. Es gab Pizza und Nudeln, „Pasta“ sagte damals selbst im Westen keiner.

Das nobelste Gericht auf der Karte waren Tagliatelle in Sahnesoße mit Lachs und Kaviar. Wobei mit Letzterem der schwarz gefärbte aus dem Glässchen gemeint war. Und drauf dann ordentlich gehobelter Parmesan aus der Tüte. Für meinen von DDR Schulspeisung geprägten außer-Haus-ess-Horizont (allerdings: zu Hause, speziell bei Oma und Tante gab es auch zu DDR Zeiten schon beste Thüringer Küche) war das ein unglaublicher Geschmack. Unfassbar dekadent.

Wenn ich dran denke, sehe ich den Laden heute noch vor mir, ich kann ihn förmlich riechen. Heute weiß ich, dass man größte Schwierigkeiten haben wird, dieses Essen irgendwo in Italien zu bekommen. Aber: ich will mich WIRKLICH überhaupt nicht drüber lustig machen, gelegentlich schmeckt mit das heute immer noch und ca. 1 mal im Jahr möchte ich das so sehr, dass ich es auch koche. Nur in einer Sache halte ich mich an die Italiener: Parmesan immer nur frisch und NIE auf Pasta mit Fisch (außer Garnelen). Und den Kaviar-Ersatz brauch ich auch nicht (wobei der dicke orange Supermarkt Kaviar glaub ich immer noch geil dazu wäre).

Rezept: Lachs würfeln, kurz anbraten und mit Salz und Chilli würzen und ein bisschen Tomatenmark dazu geben (1 TL). Dann mit etwas Weißwein und Sahne ablöschen und ein bisschen einkochen lassen. Abschmecken mit Zitronenabrieb, Zitronensaft, Chilli und Salz. Am Schluss ein paar halbierte Kirschtomaten ein bisschen in der Soße ziehen lassen. Zum Servieren Tagliatelle mit ein paar Löffeln Soße mischen, auf den Teller geben, Lachs drauf und noch mehr Soße.

Ist natürlich ein schweres Gericht, wenn man widerstehen kann, lieber nicht so viel, sonst ist einem hinterher schlecht. Wie mir grad. Aber jetzt ist wieder ein Jahr Ruhe.

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