Tagliatelle al ragu – family style

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Ich kann ja neunmalkluges Gequatsche in Sachen Küche nicht ausstehen. Bei Deutschen, die meinen, über italienisches Essen mehr zu wissen, als der Durchschnitt, ist es besonders schlimm. Naahheeiiinnn, Carbonara ist nie mit Sahne und Spaghetti macht man dazu schon gar nicht, Pasta ist NIE ein Hauptgericht, wer Nudeln mit dem Löffel isst oder gar schneidet, kommt in die Hölle. Und natürlich, am allerschlimmsten: Unser aller Lieblingsessen, Spaghetti Bolognese, wird nicht mit Hack gemacht. Und auch nicht mit Spaghetti. Nun ja, das mag alles so sein, nur sehen das die Italiener, je nach Haltung, gerne mal ganz anders und zweitens deuten solche schlauen Aussagen meist auf die Absicht hin, sich vom Heer der vermeindlich unwissenden abzusetzen. Ich meine, wer auf Carbonara mit Sahne, geschnittene Nudeln und Bolo mit Hack steht, der soll es bitte machen. Aber ich kann doch nur dazu motivieren, auch mal andere Varianten zu probieren, ohne dass man auf seine Lieblinge verzichten müsste. Das hier ist gewissermaßen eine Variante der Ur-Bolo. Und einfach himmlisch gut.

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Schöner Unfall: Salat von gerösteten Auberginen, Ofentomaten und Ruccola

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Eigentlich wollte ich Auberginenscheiben im Ofen grillen, in die ich dann ein bisschen Ruccola und frische Tomaten einwickeln wollte. Am Schluss dachte ich – komm, ein paar Minuten Oberhitze können nicht schaden. Nun, es waren wirklich ein paar Minuten zu lang und die Auberginen waren kurz vor (!) verbrannt. Eigentlich dachte ich, sie sind nicht zu retten, aber habe dann doch probiert und befand sie für zwar nicht mehr Rollen-tauglich, aber außerordentlich herzhaft, cremig und durch und durch gut. Und so ging’s dahin….

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Rest in peace Anthony Bourdain: Versuch eines Nachrufs auf meinen Helden und imaginären Freund.

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Vermutlich irgendwann in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni nahm sich Anthony Bourdain in seinem Hotelzimmer in Strasbourg das Leben. Er wurde 61 Jahre alt.

Jetzt etwas zu Bourdains Tod zu schreiben, ist keine narzistische Wichtigtuerei, auch kein Betroffenheits-Bla-Bla. Sondern vielmehr ein Versuch, meine Gedanken und Gefühle zu ordnen und mir auch ein bisschen von der Seele zu schreiben. Das erste Mal sah ich Anthony Bourdain im Rahmen seiner Wien-Folge seiner TV Serie „No Reservations“. Und was soll ich sagen: Volltreffer! Weder im Bereich Küche, noch im Bereich Reise, oder, weiter, „Leben“ oder „Leute“, hatte ich zuvor so etwas gesehen. Die Amerikaner würden es wohl „highly opinionated“ nennen. Die deutsche Laberpresse wohl „herrlich politisch unkorrekt“. Ich am ehesten: ehrlich. Ich war dem Mann sofort verfallen: seiner Coolness, seinem über die Jahre noch beneidenswert immer besser werdenden Aussehen, seinem Humor, seiner unglaublichen und zugleich so vollkommen unprätentiösen Sprache, seinem Umgang mit dem Medium Fernsehen. Für viele hunderte Stunden sollte Bourdains Werk für mich ein Fenster zur Welt werden. Und er selbst ein Mensch, von ich irgendwann wirklich das Gefühl hatte, ihn zu kennen. Ich sah ihn auf Sardinien von einer Klippe springen, in Rumänien ein groteskes Halloween erleiden, in den US Südstaaten ein Schwein schlachten, in Sizilien toten Fisch harpunieren. Ich sah ihn schwitzend und saufend in seiner alten Küche, dem „Les Halles“ in New York. Er kochte mit den Queens Of The Stone Age, trank mit Iggy Pop, aß Nudeln mit Barack Obama in einem winzigen Laden in Vietnam. Er drehte die einzige mir bekannte Reise- und Food Doku in schwarzweiß. Ich könnte unendlich so weiter machen. Aus seiner Koch- und Drogenkarriere taperte Bourdain durch seinen, für ihn wahrscheinlich am überraschendsten, Weltbestseller „Confessions of a chef“, in die Medienbekanntheit. Aus der Schnapsidee, als Nachfolger ein Buch eines Kochs auf Reisen zu veröffentlichen, wurden mehrere Jahrzehnte Fernsehen, wie es es sonst noch nicht gab und ziemlich sicher auch in der Form nicht wieder geben wird. Voller Emotionen, unglaublich leerreich und inspirierend, intelligent, spaßig, manchmal auch sehr ernst. Und nie aufgesetzt, nie Fake, so schien es.

Ich glaube, Bourdain war immer „moody“. Er konnte wirklich hoch fliegen, aber auch tief fallen. In seinem letzten Buch schrieb er viel darüber, wie wunderbar es sei, für seine kleine Tochter zu kochen. Jahre- und Jahrzehnte-lang drehte sich sein Leben vor allem um ihn selbst. Seit seinem „little girl“ nur noch um sie. Bourdain litt zeitlebens an Depressionen. Dass dies bis heute so war, war mir nicht so bewusst. Ich habe mich nie so sehr für den Tratsch rund um seine Person interessiert. Er gab doch selbst so viel, was will man dann noch aus zweiter Hand? Rückblickend muss sein Beruf, der hauptsächlich darin bestand, an die aufregendsten Orte der Welt zu reisen und dort hochinteressante Menschen zu treffen und das unglaublichste Essen des Planeten zu probieren, über Stecken für ihn die Hölle gewesen sein. Auch wenn die meisten Menschen zumindest auf den ersten Blick wohl am liebsten sofort mit ihm tauschen würden, mich eingeschlossen. Depressive Menschen durchleben im Urlaub Höllenqualen. Fremde Menschen und ungewohnte Situationen sind für sie das Schlimmste. Sie wollen sich nur zurückziehen in ihr Schneckenhaus. Was für ein Wahnsinn, in solch einer Verfassung permanent von Kameras genau bei diesen Dingen permanent für ein Publikum von, zuletzt bei CNN, hunderten von Millionen Zuschauern begleitet zu werden. Ich bin mir sicher, Bourdain hat es im Kern gerne gemacht. Und ich bin mir auch sicher, er hatte Leute um sich, die sensibel mit ihm umgingen. Aber ultimativ konnte ihm niemand helfen. Das ist, im schlimmsten Fall, die Natur einer Depression: Du bist ein schlauer, toller Mensch und erlebst die unglaublichsten Sachen, um die dich viele beneiden, aber selbst fühlst du dich wie lebendig auszementiert. So sagt man. Was es bedeutet, und wie es sich wirklich anfühlt, können die Wenigsten nachfühlen. Dass es einen Menschen zerstören kann, zeigt Bourdains Suizid, genau wie viele viele andere jeden Tag.

Es gab noch einen öffentlichen Menschen, dessen Tod mir so nahe gegangen ist, wie der meines Helden und imaginären Freundes Anthony Bourdain. Sein Name ist Esbjörn Svensson. Der Jazzpianist starb vor fast auf den Tag genau zehn Jahren bei einem Tauchunfall. Ich habe fast diese vollen zehn Jahre gebraucht, bis ich seine Musik wieder ohne tiefe Traurigkeit hören konnte. Heute geht es wieder. Ich kenne seine Familie, ich glaube, sie sind ok. Sie haben nicht vergessen, aber ihr Leben ist nicht zerbrochen. Und die Menschen denken heute noch an Esbjörn, hören seine Musik. Und ich auch. Und heute auch wieder mit einem gewissen Glücksgefühl darüber, dass, und es mag noch so abgedroschen sein, Esbjörn durch seine Musik unsterblich geworden ist. Ich werde lange, lange keine Filme und Bücher meines Helden und Freunden Anthony Bourdain lesen können. Aber ich werde ihn nie vergessen. Und ich wünsche mir und hoffe, dass dies anderen Menschen auch so geht. Ich halte sein Werk auf eine Art für nicht weniger als ein kulturelles Manifest mit dem Umfang von hunderten Stunden Film und tausenden Buchseiten. Etwas, das es lohnt, bewahrt zu werden. Etwas, um das Bourdain, wie wir jetzt wissen, zum Preis seines Lebens gekämpft hat, um es am Ende so leicht aussehen zu lassen, dass es uns glücklich gemacht hat. Irgendein schlauer Mensch hat mal gesagt, es sei schon intolerant, überhaupt von Toleranz zu sprechen. Finde ich auch. Bourdain war nicht tolerant. Er war hungrig nach dem Anderen, nach dem Fremden, er hat der Welt gezeigt, wie bereichernd es sein kann, über seinen Horizont hinaus zu schauen, ohne dabei irgendwas zu verklären oder zu romantisieren, außer, es ist einem gerade danach. Er hat uns gezeigt, dass, wenn Du kein Arschloch bist, du mit den allermeisten Menschen auf dieser Welt wunderbar auskommen kannst, ohne dich irgendwie zu verbiegen.

Ich wünsche mir, dass die Menschen auch in zehn Jahren noch an Tony Bourdain denken. Ich ganz bestimmt. Und, da bin ich ganz sicher, viele andere Menschen auch.

 

Scharfes Schweinefleisch China-Style

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Das hier ist sicher eines der besten und gleichzeitig einfachsten „asiatischen“ Gerichte, die ich je gemacht habe. Und so tief, würzig, rund, dass man echt kaum genug von kriegt. Ich meine, das geht sehr in die chinesische Richtung, aber ich hab es eigentlich zusammen-improvisiert und das mit Zutaten, die man wirklich einfach bekommt. Richtig gut und für absolut jeden ohne Probleme zu machen.

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Best of fleischi

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Ich liebe Fleisch. Viele Menschen lehnen es heute ganz ab. Für andere ist es sowas wie das Rauchen. Eine schlechte Angewohnheit, von der man nicht los kommt. Für mich ist ein Stück gutes Fleisch einfach ein Genuss, den man sich und den Leuten, die man gerne hat, immer mal gönnen sollte. Und am nächsten Tag will ich meistens nicht gleich wieder eines, und den Tag drauf wahrscheinlich auch nicht. Fleisch als besonderer Genuss, nicht als Grundnahrungsmittel. Und dann mega Qualität und zwar egal, ob es ein teures Stück wie ein dry aged Tomahawk oder ein ganz günstiges, wie langsam geschmorte Rinderbacken, Lammschulter oder die vielen wunderbaren Innereien, die nur noch wenige zubereiten können, die aber für mich ein ganz besonderer Genuss sind. Also: Ran an den Speck!

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Best of Veggie

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Ich schau gerade eine Clipshow aus „Mind of a Chef“, sicher einer meiner liebsten Kochdokus. Zum Abschluss der Staffel haben sie da noch einmal ein paar Aspekte in best-of Episoden zusammengefasst. Und ich wollte auch schon länger mal ein paar Sachen wieder anschauen, in der Hoffnung, dass Leute, die auf eine bestimmte Art von Gericht steht, vielleicht inspiriert werden. Und ganz klar: Nichts hier kommt, wenn man mal die Aufrufe anschaut, so gut an, wie vegetarische Gerichte. Ich finde das auch gut. Vegetarische Küche ist tendenziell gut für uns, gut für den Planeten. Sie bietet eine unglaubliche Vielfalt, ist eine gewisse Voraussetzung. Und vielleicht das Schönste: mit ihr erlebt man die Jahrezeiten in der Küche wirklich am allerbesten. Hier kommen also die aus meiner Sicht gelungensten Veggie Gerichte.

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Knusprig gebratene Hühnerherzen mit türkischem Nudelreis und kleinem Tomatensalat

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Man lernt doch immer dazu. Mein erster Versuch mit Hühnerherzen war schon gut, aber eigentlich wurde er der Einfachheit der Hauptzutat nicht gerecht. Es schmeckte zwar gut, aber nicht nach Hühnerherzen. Die Idee zu DIESER Zubereitung hab ich von meinem türkischen Gemüsehändler: Nur gebraten, mit Knoblauch, Petersilie und Zitronensaft. SO gut. Und wieder der Beweis, dass die günstigsten Teile vom Tier (ich denke mal, Hühnerherzen kosten 3 – 5 Euro das Kilo) oft die besten sind. Mild im Geschmack, zwar mit Biss, aber auf gar keinen Fall zäh. Frisch, leicht und auch in der Kombination einfach mega.

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Risotto di Mare mit ein bisschen Mühe

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Manchmal nervt mich die Mär vom „einfachen“ und „schnellen“ Kochen. In fast jedem Mainstream Rezept kommen diese zwei Begriffe vor. Klar, ich meine auch, es ist ganz wichtig, Leute zum Kochen zu motivieren. Aber ich meine auch, es gibt Sachen im Leben, die gehen nicht „einfach“ oder „schnell“, sondern sie sind schwierig und dauern lange. Und haben wir wirklich so wenig Zeit? Oder ist es uns tendenziell wichtiger, ca. 200 Folgen von „Game of Thrones“ zu gucken, als uns um das zu kümmern, von dem wir ultimativ leben. Und was uns und Andere potenziell auch glücklich machen kann. Ich spiele seit 30 Jahren Schlagzeug, was mich lediglich befähigt, heute so ziemlich jede Art von Musik solide begleiten zu können. Nicht mehr und nicht weniger. Und ich koche seit ungefähr 20 Jahren Risotto, sicher mein absolutes Lieblingsessen, da kann ich mich ohne Weiteres festlegen. Und auch hier meine ich, dass ich mittlerweile solide bis gute Qualität liefere, aber auch jedes Mal was dazulerne. Und genau wie beim Schlagzeugspielen, ist dieser Weg ein schöner, lustvoller und, sorry für die alte Leier, auch wichtiger, als das Ziel. Manche Sachen gehen halt nicht schnell und einfach, sondern sie brauchen Zeit und Hingabe. Aber das Ergebnis und auch der Weg dahin, sind es Wert. So, wie das hier…

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