Salat „Marais Salant“

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Ist so ein Ding mit den Namen in der Küche. Das hier war eigentlich als eine Abwandlung meines Lieblingssalates, Salade Nicoise, gedacht. Aber am Ende war es dann doch eine Sache für sich und da darf man dann doch auch mal einen eigenen Namen basteln. Aber, gar nicht so leicht. Modern würde man es wohl „Kartoffel – Grüne Bohne – Ei – Sardelle – Kaper“ nennen. In den 80ern wohl „Schlemmerteller“ und im Hausfrauen-Speak „Kartoffel-Bohnensalat“. Ich hab mir aber echt Mühe gegeben, bei der Zubereitung jeder einzelnen Komponente und so darf es auch ein bisschen nobel klingen, finde ich jedenfalls. Ich finde, Ganze schmeckt nach „Salzwiese“, also diesem Übergang zwischen Meer und Land, auf dem oft Muscheln und salzige Pflanzen wachsen. Und ein paar Hühner und Fische und eventuell einen Kartoffelacker, finden sich da sicher auch in der Nähe. Dass es nun Französisch geworden ist, ist eine kleine Hommage an das Vorbild aus Nizza, es ist eben eine nördlichere Version. Gemacht ist sie wirklich einfach. Und geschmacklich, ich lob mich ja ungern, echt grandios.

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Tofu mit Gemüse und schwarzem Pfeffer

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Ich finde Tofu toll. Ganz ehrlich. Aber eigentlich nur in der asiatischen Küche. Alle Fleischersatz-Gedanken sind mir fremd. Richtig gemacht ist er einfach gut. Und darf dann auch gerne mit Schweinebauch oder Hack (grandios: Ma Po Dofu) zubereitet werden. Das hier ist eine vegane Variante von mir, richtig würzig, schnell gemacht wirklich leicht, ohne dass man es schmeckt. Power kommt unter anderem durch reichlich frischen, schwarzen Pfeffer. Und die Technik ist vielleicht ein bisschen eigen – anstatt alles zusammen im Wok zu machen, mache ich Soße, Gemüse und Tofu zunächst getrennt und führe alles erst zum Schluss zusammen. Das ist eigentlich einfach, da alles optimal gegart werden kann,

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Gaststätte Großmarkthalle: Münchens Wirtschaftsgeheimnis

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Noch eine Woche, dann beginnt in München wieder das Oktoberfest. Viele lieben es, viele hassen es, manche machen es halt mit, weil man es nun mal eben macht. Ich gehöre eindeutig zur ersten Gruppe und freu mich drauf. Doch darum soll es hier nicht gehen. Während die halbe Stadt im Wahnsinn versinkt, wird in der Gaststätte Großmarkthalle, die nur zehn Minuten Gehzeit von der Wiesn entfernt liegt, alles sein, wie immer. Und das, ganz nach Wowereit, ist auch gut so. Denn die Wirtschaft auf dem Gelände des Münchner Lebensmittelgroßmarkts ist für mich ganz sicher die „echteste“ baytrische Wirtschaft in der ganzen Stadt und doch kennen sie selbst viele gebürtige Münchner oder Leute, die hier jahrzehntelang leben, nicht. Und das hat auch seine Gründe…

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Ragufeng

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Wenn Till Schneider demnächst nach einem Titel für seine neue romantische Komödie sucht, bin ich gerne bereit, über den Preis von „Ragufeng“ zu verhandeln. Der Film muss dann aber im Osten spielen. Schon erstaunlich: Die DDR und BRD hatten wenige kulinarische Klassiker gemein. Doch „Ragout Fin“ gab es, besonders in den 70ern und 80ern auf beiden Seiten der Mauer. Im Osten auch als „Würzfleisch“ bekannt, wohl, um mit dem französisch anmutenden Originalnamen keine Sehnsüchte zu wecken. Ich hege wenig romantische Gedanken für die DDR. Auch deren Restaurantküche war mehrheitlich ein Elend. Aber diesen legendären Snack will ich noch immer gelegentlich. Im Original wird er aus Kalbfleisch gemacht. Ich bezweifele aber, dass das oft der Fall war. Ich finde, er ist eine geniale Möglichkeit, Reste vom letzten Brathähnchen zu was Tollem zu verarbeiten.

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Gemüse-Couscous mit Stubenküken (oder ohne)

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Couscous ist ein sturer Bock. Was man auch an Aromen dazu gibt, er verschluckt es. Und bleibt relativ fad. Deshalb hat ihn die moderne Küche gerne „schlotzig“ und mit viel Aromen. Das mag ok schmecken, vielleicht sogar gut, aber Couscous ist es dann nicht mehr. Ich habe nach vielen Versuchen gemerkt: Es ist gut, den Couscous eigentlich ziemlich schlank und nüchtern zu halten und ihn dann auf dem Teller mit etwas Würzigem zu kombinieren. So wird daraus eben keine mittel-würzige Pampe, sondern man hat mal Power, dann wieder was Mildes und es geht gut zusammen. Und dann passt das toll einfach so, oder, wie hier in der Luxusvariante mit einem Stubenküken. Wer die nicht kriegt oder nicht möchte, kann natürlich auch einfach ein ausgewachsenes, gutes Huhn nehmen.

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Neue Pastaform!

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Pasta Machen macht mich glücklich. Und immer mehr hab ich Bock drauf, Pasta nur noch mit einem Brett, vielleicht einem Nudelholz und meinen Händen zu machen. Diese wirklich simpelste, namenlose Form, habe ich gerade bei Jamie Oliver gesehen. Für mich ist das wie eine große Orecchiette. Und das hier war mein erster Versuch und ich finde, das hat gut geklappt. Allerdings fand ich, dass diese recht grobe Form nicht so gut zu meiner Soße aus Kürbis, Butter, Honig und Haselnüssen gepasst hat und das diese zwar gut, aber nicht richtig richtig gut war. Die Pastaherstellung will ich Euch aber nicht vorenthalten. Ich denke, sie passt fantastisch zu richtig kräftigen Soßen, wie Ragout, Bolognese oder auch als Beilage zu Schmorgerichten. Und ich glaube, dann ist sie fantastisch.

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Frankfurter Grie Soß

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Ich bin immer wieder überrascht, wie relativ undurchlässig die deutsche Regionalküche in der Breite ist. Klar, Leute, die sich für das Thema interessieren, kennen mehr, als die Küche ihrer Heimatregion. Aber ganz generell kann man ehr mit Kenntnissen der authentischen Thai-Küche rechnen, als mit der aus „entlegenen“ Gegenden Deutschlands. Das mache ich niemandem zum Vorwurf, schade ist es dennoch. Umso überraschter war ich, als ich hier in München, ausgerechnet in einem türkischen Supermarkt, ein wirklich knackfrisches Bündel mit den sieben Kräutern für die original Frankfurter Grüne Soße sah. Wann immer das passiert, muss ich das einfach kaufen und machen, denn ist selten. Und das Ergebnis wirklich eine Freude. Doch ich meine auch, zur Not kriegt man das Rezept auch mit dem hin, was eben zu kriegen ist.

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Schweinefleisch, zweimal gebraten

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ALF: „Was iss’n das?“
Willie: „Schweinefleisch, zweimal gebraten.“
ALF: „Sieht eher aus, wie zweimal gegessen. Haaaa-ha-ha-haaaaa!“

Schon vor ungefähr 25 Jahren fragte ich mich: Wie kann man denn was ZWEIMAL braten? Jetzt weiss ich es endlich. Und ich weiss auch: Das ist RICHTIG gut.

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Louis Cole „Time“ – Ein Spiegelbild der Generation Spotify.

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Bislang konnte man die Musik von Louis Cole kaum auf „Platte“ kaufen. Alles von „Knower“, seinem, zusammen mit der Sängerin Genevieve Artadi, ursprünglich als Duo angelegten Projekt, gab und gibt es in erster Linie auf Youtube. Grandiose Feiern des grenzenlosen Talents und zugleich des Bewusstseins der Unschaffbarkeit der selbstgestellten Aufgabe, dem Zauber des Imperfekten. In multi-hunderttausend-Click-Videos von Songs wie „Overtime“, halsbrecherischen Lady Gaga Medleys und wackeligen Handymitschnitten. Es gehört zur Wahrheit, dass davon kaum jemand auch nur seine Miete bezahlen kann.

Anfang August ist nun Coles neues Soloalbum auf dem ex-Kamasi Washington-Label „Brainfeeder“ erschienen. Und es ist die bislang eindrucksvollste Reflektion eines Allround Künstlers im No-Budget und Spotify-Zeitalter. Cole lebt in der ehemaligen Recording-Hauptstadt Los Angeles. Er ist zuallererst ein begnadeter Drummer, dessen Spiel von Jazz über Black Music bis Elektro die jüngere Musikgeschichte vereint. Und ganz, ganz viel Sound und Attiude, gepaart mit grandioser Spieltechnik und Musikalität. Kurz: Bad-Ass! Lange war das alleine schon eine Basis für eine Karriere. Doch Cole schreibt, produziert, spielt Keyboards und Gitarren, singt, dreht Videos, vermutlich in seiner Garage, konzipiert Streicherarrangements, ist Toningenieur, Texter, Vermarkter, Darsteller in seinen Clips. Und das alles weitestgehend überdurchschnittlich. Das gab es schon zuvor, das bekannteste Beispiel heißt Jacob Collier. Und auch wenn man diesem zweifellos Respekt zollen muss, lebt er doch viel mehr vom Wunderkind-Status, entwickelt, sicher auch aufgrund seines deutlich jüngeren Alters viel weniger Persönlichkeit, während es Cole gelingt, eine wirklich ziemlich einzigartige künstlerische Identität zu verkörpern.

Es ist anzunehmen, dass es Cole nicht an Selbstbewusstsein mangelt. Jedenfalls scheint das in den Projektionen seiner Person, meist mit Sonnenbrille, freiem Oberkörper und übergroßen Plastik-Goldketten um den Hals. Doch bei näherem Hinsehen, und das ist das wirklich Berührende an „Time“, bricht Cole dieses Image, zweifellos vollkommen bewusst, auf, ohne es zu verleugnen oder aus einer ironischen Distanz vorzuführen. Viele der Songs auf dem Album spiegeln direkt oder indirekt den Existenzkampf von Musikern seiner Generation. Eine frühere Nummer bringt es auf den Punkt: „I am too scared to check my bank account.“ In „Real Life“ macht sich Cole unter anderem Gedanken um sein „future me“. „Trying not to die“ spricht für sich. In „Phone“, einer in ihrer Zerbrechlichkeit wirklich berührenden Smartphone-Ballade, formuliert Cole mit brüchiger Stimme eine der wunderbarsten Liebeserklärungen unserer Zeit: „You always pick up your phone. the weirdest times I call you, you’re there, glowing in my dark room.“ Seine can-do-Attitude gibt er dabei in keinem Moment auf. Und dann gibt es auch noch ein paar richtig dicke Dinger, allen voran den Opener „Weird Part Of The Night“: Dicker Bass, dicke Hook, dicker Groove, wieder einmal gepushed durch eines der besten Selfmade-Musikvideos seit Menschengedenken. Vielleicht die Essenz von Coles Musik und seinem Wirken überhaupt könnte „Things“ sein. Ein nüchterner, aber keineswegs bitterer, sondern, vielmehr scheinbar spielerisch-leichter Blick auf die Unberechenbarkeit unserer Zeit.

Wenn Daft Punks „Random Access Memories“ die Kulmination der großen Recording-Zeit war, ist „Time“ das bislang relevanteste Manifest des Spotify Zeitalters. Ein Album, das zeigt, was möglich ist, wenn ein auf unglaublich viele Arten talentierter Künstler über 2 ½ Jahre ohne das Ansehen von irgendwelchen Grenzen alle seine Kräfte mobilisiert. Ein Album, das, so abgelutscht es klingen mag, mit jedem Hören immer noch besser und besser wird. Mit tiefen Wurzeln, viel Mut, Witz, Gefühl, aber auch einer zugleich glücklich machenden, bei allem Talent und Können, fast schon kindlich-naiven Verspieltheit. Aber auch ein Album, das in den Grenzen, an die es trotz des überbordenden Talents praktisch permanent und unüberhörbar stößt, und, noch viel wichtiger, in seiner Art, genau das direkt wie indirekt zu thematisieren, auch nachdenklich, wenn nicht traurig macht. Zumindest von Zeit zu Zeit. Aber ganz sicher ein Album eines (hier kommt die überstrapazierteste Vokabel der jüngeren Musikbeschreibung) Ausnahmetalents, dessen Stimme gegen alle Widerstände seinen Weg gefunden hat und es bedingungslos verdient hat, gehört zu werden.